Alle Artikel mit dem Schlagwort: Schirn

ULAY LIFE-SIZED, Ausstellungsansicht, Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2016, Foto: Norbert Miguletz

Pionier der Performance-Kunst

Die Frankfurter Schirn Kunsthalle widmet dem Fotografen und Performance-Künstler Ulay eine spannende Retrospektive Es war einer der ganz wenigen Momente im Künstlerdasein von Marina Abramović, in dem sie ihre Selbstbeherrschung verlor. Die Performance „The Artist is present“ hatte am Abend der Eröffnung ihrer Retrospektive im New Yorker MoMA begonnen. Abramović wollte 90 Tage lag, 7 Stunden pro Tag ohne Unterbrechung stoisch auf einem Stuhl sitzen. Ihr gegenüber durfte Platz nehmen, wer Lust dazu hatte. Stundenlang starrte Abramović an diesem Abend wechselnden Personen aus dem Publikum in die Augen und wirkte dabei wie ein Monolith in der Menschenmenge. Bis zu dem Moment, als sich ein älterer Herr mit langem Haar und Bärtchen setzte. Abramovic schaute aus ihrer Konzentrationsphase auf und erkannte den Mann sofort. Es huschte ein Anflug von Freude und Überraschung über ihr Gesicht, sie rang kurz um Fassung und brach dann in Tränen aus. Als sie sich wieder gefangen hatte, reichten sie einander die Hände. Es war eines der wenigen Wiedersehen mit Frank Uwe Laysiepen seit der Trennung der beiden vor mehr als 20 …

Rauchende Grillen für alle

Die Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main erzählt die Geschichte des Farbholzschnittes im Wien der Jahrhundertwende Mit dem Ende der akademischen Malerei im 19. Jahrhundert waren die Künstler frei von formalen Zwängen. Ihr Wunsch, eigene Wege zu gehen, und die Zukunftseuphorie der Jahrhundertwende gebar eine Lust zu wilden Experimenten. Kunst sollte nicht mehr länger Staffage für die Reichen und Schönen sein. Ziel der Künstler war es nun, Kunst in die Gesellschaft zu tragen. Dafür brauchte es eine Kunst für alle. So erlebte die Grafik als günstige Alternative zum teuren Ölgemälde einen Aufschwung. Die Japanbegeisterung des Fin de Siècle brachte den fast vergessenen Farbholzschnitt zurück nach Europa. Die jungen Talente der Wiener Kunstgewerbeschule waren begeistert von den Möglichkeiten. Die Experimente mit der wiederentdeckten Technik führten zu einer Aufbruchsstimmung und zu einer neuen Vielfalt in der Kunst, die bis heute nachwirkt. Trotzdem wurde dieses Kapitel bis heute kaum beleuchtet, weil die Auseinandersetzung mit der Wiener Moderne vor allem von Klimt, Schiele und Kokoschka bestimmt wird und sich die drei kaum für Druckgrafik interessierten. Ausgangspunkt für die Entwicklung …

Auf der Suche nach der Wand

Die Schirn Kunsthalle in Frankfurt zeigt Werke von Joan Miró Der Name Joan Miró garantiert hohe Besucherzahlen und so vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht irgendwo in Europa mindestens eine Blockbuster-Schau mit Arbeiten des spanischen Künstlers gezeigt wird. Bei so viel Präsenz ist es schwer, dem Spanier neue Seiten abzugewinnen. Die Schirn Kunsthalle versucht es mit einer Ausstellung, die beweisen soll, dass Miró begeistert war von Wänden und sie breiten Raum in seinem Werk einnehmen. Um es gleich vorwegzunehmen: So ganz gelungen ist das nicht. Dass es sich trotzdem lohnt die Ausstellung anzuschauen, liegt vor allem an der hervorragenden Auswahl an Gemälden und deren Präsentation. Die Kuratoren haben die Ausstellung von jeder chronologischen Hängung befreit und gruppieren sie nach Material, Bildgrund und Motiven. Das ist gar nicht schlecht, weil es einen neuen Blick auf den Spanier ermöglicht. Am Eingang trifft man auf eines der wenigen gegenständlichen Werke Mirós und hat damit einen ersten Höhepunkt vor sich. Das Frühwerk „Der Bauernhof“ aus den Jahren 1921/22 zeigt den elterlichen Hof im katalanischen Mont-Roig in surrealistischem Stil. …

Zwischen Kitsch und Kunst

„Must See“ prangt überall in Frankfurt auf Werbetafeln und Bannern – „Muss man sehen“ steht da in schönstem Werbe-Englisch. Es ist Reklame für die aktuelle Ausstellung von Jeff Koons in der Schirn-Kunsthalle und im Liebieghaus. Während sich das Liebieghaus auf die Skulpturen konzentriert, sind in der Schirn Gemälde aus den wichtigsten Werkzyklen des Künstlers zu sehen. 45 Arbeiten zeigt die Ausstellung „Jeff Koons. The Painter“, dessen Monumentalgemälde ein wilder Mix aus hyperrealistischer Malerei mit gestischen Zügen sind. In seinen Gemälden greift Koons immer wieder Elemente der Konsumkultur auf. Er verwebt Zitate aus dem Alltagsleben, der Werbung und der Kunst, bringt sie am Computer freischwebend in mehreren Schichten übereinander zusammen und dann per Druck mit Ölfarbe auf die Leinwand. Was wie Konsumkritik aussieht, ist für Koons aber nur der Versuch, aus Altbekanntem Neues entstehen zu lassen. Jeff Koons, Lips, 2000 Easyfun-Ethereal, Öl auf Leinwand, 299,7 x 431,8 cm Privatsammlung, Courtesy Gagosian Gallery, © Jeff Koons Leider sind die Gemälde allenfalls Mittelmaß, nichts begeistert oder fesselt an den kühlen Bildern, es sind zusammengewürfelte Fragmente ohne Erkenntnisgewinn oder …

Neuer Internetauftritt für Schirn und Beyeler

Insbesondere deutsche Museen hinken ihren Kollegen im Ausland hinterher. Noch immer haben viele nicht begriffen, wie wichtig das Internet inzwischen geworden ist und welche Chancen es bietet. Besucht man manche Museumsseiten im Web, graust es einen. Selbst große Museen mit im Vergleich üppigen Etats bieten triste Langeweile, Unübersichtlichkeit oder keinen Mehrwert. Doch ganz langsam ändert sich das. In dieser Woche präsentierte die Schirn Kunsthalle in Frankfurt ihren neuen Internetauftritt. Der war zwar schon vorher nicht schlecht, aber angestaubt und hat sich deutlich verbessert. In der vergangenen Woche hat auch die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel ihre neue Webseite vorgestellt. Bravo, weiter so!

Zwei Mal chinesische Kunst in Deutschland

China feiert dieser Tage das 60. Jubiläum der Gründung der Volksrepublik – und das mit allerlei Pomp und Getöse. In Deutschland sind derweil zwei Ausstellungen zu sehen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch so ähnlich sind. Ai Weiwei, zeitgenössischer chinesischer Künstler und Publikumsliebling bei der letzten documenta zeigt im Haus der Kunst in München seine neusten Arbeiten. Seine Arbeiten prangern die gesellschaftlichen und politischen Missstände in China an, sein Engagement bringt ihm des öfteren Ärger in seiner Heimat ein. Am 12. Mai 2008 hatte die Erde in der Provinz Sichuan gebebt. Ai Weiwei wollte in der Region recherchieren, doch die Staatsmacht versuchte, das mit allen Mitteln zu verhindern. Ai Weiwei schaffte es trotzdem, die Namen von 4000 Kindern zu recherchieren, die umgekommen waren und veröffentlichte sie. Wie er, wollte auch Tan Zuoren recherchieren, warum in der Region so viele Schulen einstürzten. Er vermutete Schlampereien bei den Bauarbeiten. Doch er wurde verhaftet und wegen „Unterrgabung der Staatsgewalt“ angeklagt. Ai Weiwei reiste extra zum Prozess an, um dem Mitstreiter mit seiner Zeugenaussage zu helfen. In der …

Die Kunst ist weiblich!

Kann man eine hochkarätige Ausstellung über die Impressionisten zusammenstellen ohne Renoir, ohne Monet, ohne Manet, Pissarro oder Degas? Man kann, das beweist die Schirne Kunsthalle in Frankfurt. In der Ausstellung „Impressionistinnen“ stellt die Schirn die wichtigsten impressionistischen Malerinnen vor. Gab es nicht? Gab es doch: Berthe Morisot, Mary Cassatt, Eva Gonzalès und Marie Bracquemond. Der Impressionismus war die erste Stilrichtung, in der Frauen eine gewichtige Rolle spielten. Obwohl die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts von gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt war, hatten es Frauen nicht leicht. Nicht wenige Maler gaben sich zwar gerne unkonventionell, doch wenn es um Frauen in der Kunst ging, hörte der Spaß auf. Ganz zu schweigen von der Gesellschaft, die der Frau den Platz am Herd zuwies. Der Zugang zu Kunstakademien war ihnen verwehrt, sie konnten also den üblichen akademischen Weg in die Kunst nicht gehen. Die Abneigung gegen die Akademien war bei ihnen also nicht nur künslterisch bedingt. Viele von ihnen waren Autodidakten, die ihr Geld damit verdienten, Modell zu stehen und so Eingang in Künstlerkreise fanden.

Der Künstler als Künstlermacher

Die Schirn Kunsthalle in Frankfurt spürt in der Ausstellung „Kunstmaschinen – Maschinenkunst“ einer interessanten Frage nach: Sind Künstler, die Maschinen bauen, die ihrerseits Kunst produzieren, nun Künstler oder Ingenieure? Wer ist der wahre Schöpfer der Maschinenkunst? Die Maschine oder der Künstler? Und: ist das überhaupt Kunst, was die Maschinen da produzieren? Muss der Kunst nicht ein willentlicher Akt, Kunst produzieren zu wollen, vorausgehen? Was bedeutet es, wenn sich der Künstler scheinbar (oder anscheinend) aus dem kreativen Akt zurückzieht? Die Diskrepanz zwischen Künstler und Maschine könnte größer nicht sein. Während die Maschine vom Menschen darauf ausgelegt ist, reproduzierbar nach Programmierung oder Aufbau zu arbeiten, ist der Künstler als schöpferischer Geist dem kreativen Akt verpflichtet. Daran angeknüpft ist auch die Einmaligkeit des Kunstwerks, nur unterbrochen vom gewollten Akt der Reproduktion in Lithografie und Druck, dem eine strenge Limitierung die Grenzen setzt.Die in der Schirn ausgestellten Maschinen von Tinguely bis zu Andreas Zybach sind ohne Zweifel Kunstwerke, aber erschaffen sie auch Kunst? Den Maschinen fehlt der Wille zum künstlerischen Akt, doch den hat ihnen der Künstler mitgegeben. Auch …

Ein wildes Schwirren und Flirren

Die Schirn Kunsthalle in Frankfurt zeigt ab 15. feburar 2007 (bis 20. Mai 2007) eine tolle Retrospektive zur Op-Art. Zu Beginn der 1960er Jahre entsteht mit Op Art und Kinetik eine Kunst mit starkem Interesse am Objektiven und dem wissenschaftlichen Experiment. Fasziniert von den physikalischen Gesetzen des Lichts und der Optik verschreibt sich eine ganze Generation der Untersuchung visueller Phänomene und Wahrnehmungsprinzipien. Die Täuschungsmöglichkeiten des Auges auslotend, setzen Künstler wie Victor Vasarely, Bridget Riley, François Morellet, Julio Le Parc oder Gianni Colombo auf die gezielte Irritation. Mit großformatigen Bildern, Objekten und Environments bringen sie aber nicht nur das Auge des Betrachters in Bewegung. Sie lassen den Besucher in Farbe versinken, im Spiegel ins Unendliche stürzen oder bieten ihm poetische Lichtspiele. Die Interaktion zwischen Werk und Betrachter gipfelt in Installationen, die letztlich nicht nur physikalische Wirkungen in Form von Nachbildern, Farbvibrationen oder dem Flimmern von Licht entfalten, sondern auf das gesamte Bewusstsein wirken. Die Op Art spielt mit den sensorischen Voraussetzungen des Betrachters. Sie ist eine Kunst, die das Auge gezielt überlastet. Aus dieser Überforderung des …