Alle Artikel mit dem Schlagwort: München

Neue Online-Datenbank zu den Großen Deutschen Kunstausstellungen

München war zur Zeit des Nationalsozialismus deutsche Hauptstadt der Kunst. Während in der Galerie am Hofgarten „entartete Kunst“ gezeigt wurde, war das Haus der Kunst von 1937 bis 1944 Ausstellungsort der Großen Deutschen Kunstausstellung, der jährlichen Leistungsschau deutscher Künstlerinnen und Künstler von Hitlers Gnaden. Seit Ende Oktober ist nun die Website GDK-research.de online, eine Datenbank mit umfangreichem Material zu den Kunstausstellungen. Man kann dort Bilder und Informationen zu den Ausstellungen und Werken abrufen. Das Projekt, das mit 500.000 Euro von der Deutschen Forschungsgemeisnchaft gefördert wurde, wurde vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München, Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München, dem Haus der Kunst und dem Deutschen Historischen Museum in Berlin initiiert. Eine wahre Fundgrube für wWissenschaftler und Initeressierte. Website: www.gdk-research.de

Zwei Mal chinesische Kunst in Deutschland

China feiert dieser Tage das 60. Jubiläum der Gründung der Volksrepublik – und das mit allerlei Pomp und Getöse. In Deutschland sind derweil zwei Ausstellungen zu sehen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch so ähnlich sind. Ai Weiwei, zeitgenössischer chinesischer Künstler und Publikumsliebling bei der letzten documenta zeigt im Haus der Kunst in München seine neusten Arbeiten. Seine Arbeiten prangern die gesellschaftlichen und politischen Missstände in China an, sein Engagement bringt ihm des öfteren Ärger in seiner Heimat ein. Am 12. Mai 2008 hatte die Erde in der Provinz Sichuan gebebt. Ai Weiwei wollte in der Region recherchieren, doch die Staatsmacht versuchte, das mit allen Mitteln zu verhindern. Ai Weiwei schaffte es trotzdem, die Namen von 4000 Kindern zu recherchieren, die umgekommen waren und veröffentlichte sie. Wie er, wollte auch Tan Zuoren recherchieren, warum in der Region so viele Schulen einstürzten. Er vermutete Schlampereien bei den Bauarbeiten. Doch er wurde verhaftet und wegen „Unterrgabung der Staatsgewalt“ angeklagt. Ai Weiwei reiste extra zum Prozess an, um dem Mitstreiter mit seiner Zeugenaussage zu helfen. In der …

Jean Dubuffet in München

Beim Namen Jean Dubuffet (1901-1985) fallen den meisten Menschen die schraffierten Bilder in Rot, Blau, Weiß und Schwarz ein, doch der Künstler war viel mehr. Eine Übersicht über seine Arbeit zeigen die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung und das Literaturhaus in München. Das Literaturhaus? Ja, denn der Künstler war ein Multitalent: Maler, Bildhauer, Dichter, Schriftsteller, Musiker, Bühnenbildner und Grafiker. Im Literaturhaus sind Künstlerbücher ausgestellt, handgeschriebene Texte, Lithografien und Zeichnungen. Besonders schön ist die erstmalige Übersetzung der Texte in das Deutsche. Dubuffet nutzte einen Mischmasch aus gehobenem Französisch und Argot, die Sprache der Bettler und Gauner im Frankreich des Mittelalters. In der Kunsthalle erwartet die Besucher ein spannender Rundgang durch Dubuffets Oeuvre. Die Hypo-Kunsthalle hat 150 Gemälde, Skulpturen und Arbeiten auf Papier zusammengetragen. In dem dezentem Grau der Wände wirken die farbenfrohen Arbeiten des Franzosen noch strahlender und leuchtender, die erdigen Materialbilder hingegen noch düsterer. Viele der Werke sehen aus wie von Kinderhand gezeichnet, naive Kunst sagt man dazu, allerdings ist Dubuffet alles andere als naiv und seine Kunst zutiefst intellektuell. Dubuffet selbst nannte diese Kunstgattung Art Brut, …

Auf der Suche

Das Haus der Kunst in München bietet hervorragende Ausstellungen. Die gerade erst zu Ende gegangene Robert Rauschenberg-Ausstellung war so eine oder die Ausstellung zu Luc Tuymans im Frühjahr. Ach ja, und natürlich die „Gilbert & George“-Retrospektive im vergangenen Jahr. Man darf das Haus der Kunst also ruhigen Gewissens empfehlen. Wenn dann noch eine Ausstellung gastiert, die das Label „Centre Pompidou“ trägt, gerät man erst recht in Verzückung und Erregung. Die nun gezeigte Schau „Spuren des Geistigen“ (bis 11. Januar 2009) will sich auf die Suche nach dem Spirituellen in der Kunst machen. „Spuren des Spirituellen“ oder „Spuren des Heiligen“ wäre wohl eine bessere Übersetzung von „Traces du Sacré“ gewesen. Mit der Säkularisierung der Gesellschaft im 19. Jahrhundert hat sich die Kunst von den klassischen Bildsujets der Heiligen und der Bibelszenen abgekehrt. Eine neue Bildsprache hielt Einzug. Dies bedeutete jedoch nicht das Ende der Metaphysik. Aber die KünstlerInnen begeben sich auf die Suche, hinterfragen und versuchen Offenbarungen des Göttlichen im Alltag zu finden. In 16 Kapiteln fächert die groß angelegte Ausstellung zentrale Themen verschiedener Epochen seit …

Rauschenberg auf Reisen

Der Name Robert Rauschenberg ist untrennbar verbunden mit der Pop-Art. Neben Andy Warhol, Roy Liechtenstein und Jasper Jones hat keiner diesen Stil so sehr geprägt wie er. Doch während die anderen Vertreter der Pop-Art vor allem als Maler arbeiteten, ging Rauschenberg schon früh einen Schritt weiter. Schon in den fünfziger Jahren begann Rauschenberg, Fundstücke und Alltagsgegenstände in seine Arbeiten einfliessen zu lassen. Seine Gemälde wuchsen in den Raum. Inspirieren liess er sich dabei von Dadaisten und abstrakten Expressionisten. Die „Combine Paintings“ genannten Assemblagen verbinden Malerei mit alltäglichen Gegenständen wie Tapetenresten, Postkarten, Glühbrinen, Elektrogeräten und allerlei weiteren Fundstücken. So bezieht der Künstler seine Lebenswelt in die Werke ein. Rauschenbergs Antrieb war es, die Lücke zwischen realer Welt und Bildwelt zu schließen bzw. zu überbrücken. Im Zentrum seiner Werke steht die Frage, wie wir die Welt wahrnehmen. In den sechziger Jahren arbeitete Rauschenberg vor allem mit bunten Collagen, die er aus amerikanischen Zeitungen und Zeitschriften ausschnitt. Intensiv beschäftigt er sich mit der Ikonografie der amerikanischen Kultur, mit Kommerz, Politik und dem neuen Medium „Fernsehen“. Den Schnipseln gab …

Unbedingt besuchen: Galerie Lichtpunkt

Ich habe vor einigen Wochen eine neue Galerie entdeckt, die ich bisher noch nicht auf meinem Radarschirm hatte. Vielleicht liegt es daran, dass mir Galerien suspekt sind, die nicht den Namen der Inhaber tragen sondern so wahnsinnig fantasievolle Namen wie Kunstraum, raum 08/15, schicke englische Termini oder irgendwelche kryptischen Zahlenkürzel. Ich muss vorurteilsfreier werden, denn die Galerie Lichtpunkt ist ein kleines Schmankerl und ein wahrer Lichtpunkt in der bayrischen Hauptstadt. Für mich war die Galerie eine Entdeckung in den letzten Wochen und ich kann nur jedem nahelegen, die Galerie bei einem Münchenbesuch unbedingt zu besuchen. Das Portfolio der Galerie ist ausgezeichnet und die Ausstellungen der letzten Jahre fast alle wirklich hochkarätig. Galerist Horst Ambacher präsentiert vor allem zeitgenössische Kunst im Bereich der figurativen Malerei, aber auch Fotografie und Installationen sind in der Galerie zu finden. Besonders interessant waren die letzten beiden Ausstellungen. Daniel Schüßler, „Dynastie Discordia“, 2007 Collage/Acryl auf Leinwand, 120 x 150 cm © Galerie Gerade vorbei ist die Ausstellung des Künstlers Daniel Schüßler, der in seinen Gemälden der Frage nach geht, wie wir …

Die Befreiung der Kunst

Obwohl Mark Rothko (1903-1970) Zeit seines Lebens bestritt, abstrakter Künstler zu sein, wird er als einer der wichtigsten Vertreter des Abstrakten Expressionismus verehrt. Umso erstaunlicher ist es, dass es zwanzig Jahre dauerte, bis ihm in Deutschland wieder eine Retrospektive gewidmet wurde. Die Hypo-Kunsthalle in München hat in einer großartigen Ausstellung die wichtigsten Arbeiten des Malers zusammengetragen und beleuchtet seinen Werdegang. Schon in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts begann der Abgesang der Klassischen Moderne, obwohl sie gerade in voller Blüte stand. Paris war zwar noch Welthauptstadt der Kunst, aber die russischen Avangardisten drangen mit aller Macht an die Öffentlichkeit und im Westen begann der unaufhaltsame Aufstieg einer neuen Weltmacht. Diese Entwicklung wurde durch den zweiten Weltkrieg noch verschärft. Nach 1945, als die Europäer mit dem Wiederaufbau beschäftigt waren, schwang sich New York dann endgültig zur neuen Kunstmetropole auf. Angeführt von amerikanischen Künstlern wie Jackson Pollock, Barnett Newman und Clyfford Still begann eine neue Kunstbewegung ihren Siegeszug. Auch Immigranten wie der Niederländer Willem de Kooning und der Armenier Arshile Gorky verhalfen der neuen Kunst zum Durchbruch. …

Ausstellung zu „Die Scholle“

Die Künstlergruppe „Die Scholle“ war lange aus dem kollektiven Gedächtnis der Kunstwelt verschwunden. Jetzt zeigt das Museum Georg Schäger in Schweinfurt bis 01. Juni 2008 „DIE SCHOLLE. Eine Künstlergruppe zwischen Sezession und Blauer Reiter“ mit Werken aus der Sammlung Unterberger. Leo Putz, Sommerträume (Morgensonne), 1907 Öl auf Leinwand, Sammlung Siegfried Unterberger © VG Bild-Kunst, Bonn 2007 Der Name der Müncher Künstlervereinigung ist eher mißverständlich, denn es ging den Künstlern nicht so sehr um die heimatliche Scholle. Um das klarzustellen, liess man verlautbaren: Die Scholle habe „kein anderes gemeinsames Ziel, keine andere Marschroute, als dass jeder seine eigene „Scholle“ bebaue, die freilich auf keiner Landkarte zu finden ist.“ Den 12 Künstlern gemeinsam war wohl nur ein ungezwungener und farbenfroher Stil mit einem Hang zur subjektiven Naturdarstellung, der am ehesten dem Impressionismus nahe stand. Thematisch voneinander unabhängig, verfolgten die „Scholle“-Maler die Vorstellung, Kunst, Natur und Leben im Sinne der reformbewegten Atmosphäre und des Naturlyrismus miteinander zu vereinen. Die Scholle entstand im November 1899 im wesentlich aus Mitgliedern der Münchner Sezession, welche überwiegend an der Akademie der bildenden …

Back to the future

Wie oft haben wir schon gehört, dass die Malerei tot ist. Mal war es die gegenständliche Malerei, dann die Malerei überhaupt. Doch die neuen Medien konnten die Malerei nur ins Dunkel drängen, gestorben ist sie nicht. Eigentlich gab es das ganze 20. Jahrhundert hindurch immer zwei Stränge in der Malerei. Zwar war die Abstraktion die gefeierte, aber die figurative Malerei war immer da. Inzwischen ist sie auch wieder ins Licht zurückgetreten, figurative Malerei ist in. Der Kunstmarkt zahlt Höchstpreise, man denke nur an die „Neue Leipziger Schule“. Die Hypo-Kunsthalle in München zeigt bis Mitte August die Ausstellung „Zurück zur Figur. Malerei der Gegenwart“. Gleichzeitig nehmen sich auch mehrere Galerien der Stadt des Themas an. Eine schöne Idee, wird doch so ein breites Spektrum zeitgenössischer Malerei präsentiert und ermöglicht einen guten Überblick. Durch ihre Zusammenstellung machen die Bilder deutlich, welche Genres und Traditionslinien für die aktuelle Malerei wichtig sind. Ein besonderer Reiz liegt im Dialog der verschiedenen Generationen, denn „Altmeister“ wie Lucian Freud, Eric Fischl, Mel Ramos, Alex Katz oder Maria Lassnig sind ebenso zu sehen …