Alle Artikel mit dem Schlagwort: Frankfurt

Manischer Geschichtenerzähler

Die erste Ausstellung von Philip Guston in den neuen Räumen der New Yorker Marlborough Gallery wurde zum Stadtgespräch. Plötzlich und ohne Vorwarnung malte der lange Jahre als Abstrakter Expressionist bekannte Guston wieder figurativ. „Verrat“ brüllten da nicht wenige seiner Weggefährten und auch die Kritiker kanzelten die neuen Werke gnadenlos ab. Dabei war Guston nie wirklich einer der abstrakt-expressiven Maler der New Yorker Schule, die in oftmals wilder Gestik ihre innere Gefühlswelt auf die Leinwand brachten. Der Abstrakte Expressionismus war nie seine Welt geworden und stets hatte er als Außenseiter gegolten. Seine Arbeiten aus den Fünfzigerjahren sind diffuse Landschaften aus kurzen breiten Pinselstrichen und beseelt von Farbe und Licht. Das erinnert eher an Monet als an die New Yorker Künstler jener Zeit. Guston war 1913 als Philip Goldstein in Montreal geboren worden und wuchs in Los Angeles auf. Früh galt er als großes Talent. Doch während die New Yorker Kunstszene in großformatigen Abstraktionen schwelgte, blieb Guston in der künstlerischen Provinz Los Angeles, malte gegenständlich und arbeitete sich an der europäischen Kunstgeschichte ab. Besonders der frühe Picasso …

Der vergessene Lieblingsmaler der Deutschen

Was hat man Hans Thoma nicht alles für Etiketten angeheftet: Für seine Kollegen war er wegen seiner pittoresken Schwarzwaldbilder der „Hühnermaler“, Meyers Konversationslexikon lobte ihn 1909 als „Lieblingsmaler der Deutschen“ und für die Nationalsozialisten war er der letzte „große urdeutsche Maler“. Hängen geblieben ist vor allem das Lob der NS-Ideologen, weshalb er nach dem Zweiten Weltkrieg in den Museumsdepots verschwand. Dabei konnte sich Thoma gar nicht mehr wehren, denn er war schon 1924 gestorben, lange bevor Adolf Hitler Gefallen an dem Maler fand und seine Bilder für das Führermuseum zusammenkaufte. Ausstellungsansicht „Hans Thoma. ‚Lieblingsmaler des deutschen Volkes’“ Städel Museum, Frankfurt am Main, 2013 Foto: Norbert Miguletz Heute besitzt das Frankfurter Städel Museum die größte Thoma-Sammlung. Das Haus ist nicht ganz unschuldig am Ruf des Malers. 1934 zeigte man hier eine monografische Thoma-Präsentation der NS-Kulturgemeinde und gab 1939 eine Broschüre heraus, die Thomas „arische“ Abstammung feierte. Damit war der Ruf als Lieblingsmaler der Nationalsozialisten gefestigt. Es lag also nahe, dass das Museum dem Künstler nun endlich ein wenig Rehabilitation angedeihen lassen möchte. Das Städel versucht sich …

Neuer Internetauftritt für Schirn und Beyeler

Insbesondere deutsche Museen hinken ihren Kollegen im Ausland hinterher. Noch immer haben viele nicht begriffen, wie wichtig das Internet inzwischen geworden ist und welche Chancen es bietet. Besucht man manche Museumsseiten im Web, graust es einen. Selbst große Museen mit im Vergleich üppigen Etats bieten triste Langeweile, Unübersichtlichkeit oder keinen Mehrwert. Doch ganz langsam ändert sich das. In dieser Woche präsentierte die Schirn Kunsthalle in Frankfurt ihren neuen Internetauftritt. Der war zwar schon vorher nicht schlecht, aber angestaubt und hat sich deutlich verbessert. In der vergangenen Woche hat auch die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel ihre neue Webseite vorgestellt. Bravo, weiter so!

Die schönsten Augenwimpern der Kunstgeschichte

Das Städelmuseum in Frankfurt beglückt uns mit einem ganz besonderen Augenschmaus, einer monografisch angelegten Schau zum florentinischen Renaissance-Maler Sandro Botticelli (1445-1510). Es ist die erste im deutschsprachigen Raum und dürfte auf absehbare Zeit die einzige weltweit bleiben, da die Werke nur ungern verliehen und auf Reisen geschickt werden. Immerhin hat es das Städel geschafft, vierzig Arbeiten des Meisters zusammenzutragen, sowohl von Museen als auch von privaten Leihgebern. Sandro Botticelli, Weibliches Idealbildnis (Bildnis der Simonetta Vespucci als Nymphe) Pappelholz, 81,8 x 54 cm Frankfurt, Städel MuseumFoto: Ursula Edelmann – Artothek Sandro Botticelli wurde 1445 in Florenz als Sohn des Gerbers Mariano di Vanni Filipepi geboren. In seiner Jugend begann er eine Lehre als Goldschmied, merkte aber bald, dass das Interesse an der Malerei größer war. Botticelli wurde Lehrling des berühmtesten Malers jener Zeit, Fra Filippo Lippi (1406–1469). Inspiriert vom Humanismus mallt Boticelli anfangs vor allem Allegorien, die gekennzeichent sind von blassen, überlangen Frauengestalten mit zarten Gesichtern und schwermütigem Blick -voller graziler Schönheit und eleganter Anmut. Botticellis Gemälde vermengen antiken Ideale, gotische Bilddarstellung und humanistische Ideale. So …

Zwei Mal chinesische Kunst in Deutschland

China feiert dieser Tage das 60. Jubiläum der Gründung der Volksrepublik – und das mit allerlei Pomp und Getöse. In Deutschland sind derweil zwei Ausstellungen zu sehen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch so ähnlich sind. Ai Weiwei, zeitgenössischer chinesischer Künstler und Publikumsliebling bei der letzten documenta zeigt im Haus der Kunst in München seine neusten Arbeiten. Seine Arbeiten prangern die gesellschaftlichen und politischen Missstände in China an, sein Engagement bringt ihm des öfteren Ärger in seiner Heimat ein. Am 12. Mai 2008 hatte die Erde in der Provinz Sichuan gebebt. Ai Weiwei wollte in der Region recherchieren, doch die Staatsmacht versuchte, das mit allen Mitteln zu verhindern. Ai Weiwei schaffte es trotzdem, die Namen von 4000 Kindern zu recherchieren, die umgekommen waren und veröffentlichte sie. Wie er, wollte auch Tan Zuoren recherchieren, warum in der Region so viele Schulen einstürzten. Er vermutete Schlampereien bei den Bauarbeiten. Doch er wurde verhaftet und wegen „Unterrgabung der Staatsgewalt“ angeklagt. Ai Weiwei reiste extra zum Prozess an, um dem Mitstreiter mit seiner Zeugenaussage zu helfen. In der …

Bernard Buffet neu entdeckt

Kaum ein Künstler hat einen derart steilen Aufstieg und Fall erlebt wie Bernard Buffet. Einst galt er als legitimer Nachfolger von Picasso. Seine Werke erreichten ein ähnliches Preisniveau wie die von Picasso, er wurde gelobt und hofiert, Sammler und Museen rissen sich um seine Werke. Heute liegen die Werke in Depots und die Preise sind im freien Fall. Buffet ist out. Das versucht das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt zu ändern. Buffet wurde 1928 in Paris geboren. Im Alter von nur 15 Jahren wurde er an der École des Beaux-Arts in Paris aufgenommen. Die Freunde Maurice Utrillo und Georges Rouault stellten ihn Ende der 40er Jahre dem Kunsthändler Maurice Girandin vor. Der war von Buffet begeistert und unterstützte ihn. Der Maler wurde Mitglied des Pariser Herbstsalon und der „L‘ homme témoin“, einer Künstlergruppe, die sich gegen die abstrakte Kunst wandte. Als er als Zwanzigjähriger 1948 den „Prix de la Critique“ erhielt, war er in aller Munde.

Das Städelmuseum baut an

Das Städelmuseum in Frankfurt braucht dringend Platz. Deshalb hat man beschlossen, das Museum zu erweitern und einen Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Der ist jetzt entschieden. Gewonnen hat das Frankfurter Architekturbüro Schneider+Schumacher. Der Entwurf des Teams sieht für die Präsentation der Kunst nach 1945 eine Museumshalle unter dem Städelgarten vor. Ansicht Neubau Städelmuseum Schneider+Schumacher Architekturgesellschaft mbH, Frankfurt am Main Foto: © Städelmuseum Die Idee kam auch einigen Mitbewerbern, denn so bleibt der schöne Städelgarten erhalten und die Blickachsen frei. Das besondere des Entwurfs ist das „Dach“ des Ausstellungsraumes. Die Fläche wölbt sich zur Mitte hin auf und die runden Fenster vergrößern sich zum Zentrum, so wird der plastische Eindruck verstärkt. Fast wirkt der Entwurf von oben wie ein Gemälde von Victor Vasarely. Die Wetbewerbsjury drückt es poetischer aus: „Ein leuchtendes Juwel am Tag, ein Lichtteppich in der Nacht – etwas ganz Besonderes ist den Architekten Schneider + Schumacher mit dem Entwurf zur Erweiterung des Städel Museums gelungen“. Auch andere Entwürfe sind überzeugend, doch grundsätzlich wirken alle Modelle, die auf einen oberirdischen Anbau setzen, sehr beengt, da der Neubau …

Cranach im Städel

Ausstellungsansicht, Städel Museum, Frankfurt, 2007 Ich werde häufig gefragt, warum ich den Blog „Avantgarde“ nenne, obwohl ich ja nicht nur über die klassische Avantgarde der Moderne schreibe. Das liegt daran, dass dieser Blog Avantgarde sein will, vor allem aber, dass der Begriff „Avantgarde“ zeitlich mehr als dehnbar ist. Viele Künstler der klassischen Moderne suchten ihre Vorbilder schon bei den Meistern in Mittelalter und nutzen Stil, Maltechniken und Bildsujets der so genannten „alten Meister“. Man darf viele Meister des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit also durchaus als Avantgarde sehen. Einer dieser Avantgardisten ist Lucas Cranach der Ältere (1472-1553), dem das Städelmuseum in Frankfurt eine Ausstellung widmet. Wie kaum ein anderer prägte Cranach neben Dürer und Holbein die Bildwelt seiner Jahre und nachhaltig auch die Bildwelt späterer Jahrhunderte. Seine Landschaftsdarstellungen waren wegweisend, religiöse Themen hauchte er neues Leben ein und seine Porträts prägen bis heute unsere Vorstellung von jener Zeit. Wer kennt nicht seine Porträts von Martin Luther, Katharina von Bora oder Philipp Melanchton.

Der Künstler als Künstlermacher

Die Schirn Kunsthalle in Frankfurt spürt in der Ausstellung „Kunstmaschinen – Maschinenkunst“ einer interessanten Frage nach: Sind Künstler, die Maschinen bauen, die ihrerseits Kunst produzieren, nun Künstler oder Ingenieure? Wer ist der wahre Schöpfer der Maschinenkunst? Die Maschine oder der Künstler? Und: ist das überhaupt Kunst, was die Maschinen da produzieren? Muss der Kunst nicht ein willentlicher Akt, Kunst produzieren zu wollen, vorausgehen? Was bedeutet es, wenn sich der Künstler scheinbar (oder anscheinend) aus dem kreativen Akt zurückzieht? Die Diskrepanz zwischen Künstler und Maschine könnte größer nicht sein. Während die Maschine vom Menschen darauf ausgelegt ist, reproduzierbar nach Programmierung oder Aufbau zu arbeiten, ist der Künstler als schöpferischer Geist dem kreativen Akt verpflichtet. Daran angeknüpft ist auch die Einmaligkeit des Kunstwerks, nur unterbrochen vom gewollten Akt der Reproduktion in Lithografie und Druck, dem eine strenge Limitierung die Grenzen setzt.Die in der Schirn ausgestellten Maschinen von Tinguely bis zu Andreas Zybach sind ohne Zweifel Kunstwerke, aber erschaffen sie auch Kunst? Den Maschinen fehlt der Wille zum künstlerischen Akt, doch den hat ihnen der Künstler mitgegeben. Auch …

Ein wildes Schwirren und Flirren

Die Schirn Kunsthalle in Frankfurt zeigt ab 15. feburar 2007 (bis 20. Mai 2007) eine tolle Retrospektive zur Op-Art. Zu Beginn der 1960er Jahre entsteht mit Op Art und Kinetik eine Kunst mit starkem Interesse am Objektiven und dem wissenschaftlichen Experiment. Fasziniert von den physikalischen Gesetzen des Lichts und der Optik verschreibt sich eine ganze Generation der Untersuchung visueller Phänomene und Wahrnehmungsprinzipien. Die Täuschungsmöglichkeiten des Auges auslotend, setzen Künstler wie Victor Vasarely, Bridget Riley, François Morellet, Julio Le Parc oder Gianni Colombo auf die gezielte Irritation. Mit großformatigen Bildern, Objekten und Environments bringen sie aber nicht nur das Auge des Betrachters in Bewegung. Sie lassen den Besucher in Farbe versinken, im Spiegel ins Unendliche stürzen oder bieten ihm poetische Lichtspiele. Die Interaktion zwischen Werk und Betrachter gipfelt in Installationen, die letztlich nicht nur physikalische Wirkungen in Form von Nachbildern, Farbvibrationen oder dem Flimmern von Licht entfalten, sondern auf das gesamte Bewusstsein wirken. Die Op Art spielt mit den sensorischen Voraussetzungen des Betrachters. Sie ist eine Kunst, die das Auge gezielt überlastet. Aus dieser Überforderung des …