Alle Artikel mit dem Schlagwort: Düsseldorf

Hommage an die Künstlerinnen der Avangarde

Der Name Dora Maar ist vor allem mit Pablo Picasso verbunden. Von 1936 bis 1943 war Maar Muse, Modell und Geliebte Picassos. Doch Mitte der 1930er Jahre hatte Maar sich längst einen eigenen Namen als Fotografin gemacht und verkehrte in Künstlerkreisen. Trotzdem wurde sie nach 1936 kaum noch als eigenständige Künstlerin wahrgenommen, sie war die Frau an Picassos Seite, Gegenstand vieler seiner Gemälde und die Fotografin, die die Entstehung seiner Werke dokumentierte. Bis heute ist Dora Maar nur eingefleischten Kunstkennern als eigenständige Künstlerin bekannt. Eine Ausstellung in Düsseldorf will das ändern. „Die andere Seite des Mondes. Künstlerinnen der Avantgarde“ lässt acht Künstlerinnen der 1920er und 1930er Jahre ins Rampenlicht treten. Diese Zeit war geprägt von heftigen gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen. Die Frauenbewegung war stark geworden, Frauen verlangten politische und gesellschaftliche Teilhabe und riefen nach sexueller Selbstbestimmung. Vorgestellt werden neben Dora Maar auch Hannah Höch, Sophie Taeubner-Arp und Sonia Delaunay und die weniger bekannten Claude Cahun, Florence Henri, Katarzyna Kobro und Germaine Dulac. Sie alle hatten sich den radikalen Kunstbewegungen jener zeit angeschlossen, dem Surrealismus, dem …

Drei Mal Gerhard Hoehme

Gleich drei Museen in Nordrhein-Westfalen ehren derzeit den Künstler Gerhard Hoehme zu seinem 20. Todestag. Das museum kunst palast (Düsseldorf) präsentiert Arbeiten auf Papier aus der Gerhard und Margarete Hoehme-Stiftung, ergänzt um Zeichnungen und Druckgraphik aus der eigenen Sammlung. Das Museum Küppersmühle (Duisburg) gibt in einer großen, retrospektiv angelegten Werkschau Einblick in die wesentlichen Schaffensprozesse zwischen 1955 und 1989 und die Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum (Duisburg) zeigt bildplastische Werke aus eigenem Besitz. Hoehme gehörte zu den wichtigsten Vertretern des deutschen Informel und der Lyrischen Abstraktion. Seine „Shaped Canvases“ sind in der gestischen Malerei der fünfziger udn sechziger Jahre zu verorten, jener Zeit, als der abstrakte Expressionismus New York in die erste Liga der Kunst katapultierte und die Europäer in den Hintergrund drängte. Ähnlich wie für die Amerikaner war für Hoehme das Bild ein offenes, energetisches Feld, das es zu erforschen und zu gestalten galt. Intensiv suchte Hoehme nach den Grenzen des Bildes und seines Raumes. „Den Gesetzen der Fläche“, sagte Gerhard Hoehme 1957, „bin ich immer nur widerwillig gefolgt. Weit mehr hat mich die Gesetzmäßigkeit …

Voll Porno!

Wie ich neulich lernen durfte, sagen Jugendliche heute nicht mehr „cool“ oder „geil“ wie zu meiner Zeit, sondern „voll porno“. Das trifft auch auf die Ausstellung „Diana und Actaeon. Der verbotene Blick auf die Nacktheit“ im Düseldorfer museum kunst palast zu, die ist nämlich wirklich sehenswert. Voll porno, das findet auch die BILD-Zeitung, die findet die Schau allerdings nicht cool, sondern echauffiert sich über die Darstellungen und meint, das sei einfach nur Pornographie und keine Kunst. Ihren Namen hat die Ausstellung von Ovids Mythos der Diana und des Actaeon. Bei einem Streifzug durch den Wald entdeckt der Jäger Actaeon die Göttin Diana beim gemeinsamen Bad mit ihren Nymphen. Überrascht vom begehrenden Blick des Actaeon, verwandelt die nackte Göttin der Jagd den Jäger in einen Hirsch. Von seinen eigenen Hunden nicht mehr erkannt, zerfleischen diese den hilflosen Actaeon. Die Ausstellung zeigt ein großes Konvolut von 300 Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und Grafiken sowie Fotografien und Videos, die sich dem Themenkomplex von Keuschheit und Begehren, von Sehen und Gesehen werden, von Voyeurismus und Exhibitionismus widmen. So illustriert die Schau …

Die BILD erklärt, was Kunst ist

Sicherlich kann man bei dem ein oder anderen Künstler darüber streiten, ob das, was er produziert, Kunst ist oder Kitsch und manchmal sogar, ob die Grenze zur Pornographie überschritten wird. Doch dazu müsste man erst einmal klären, ob Pornographie grundsätzlich keine Kunst sein kann, also ob ein Werk entweder Kunst ODER Pornographie ist. So einfach ist das sicher nicht, denn ein pornographischer Inhalt kann künstlerische Aussagen transportieren, wenn das so gewollt ist. Für die BILD-Zeitung gilt das nicht. Heute bespricht Dr. Dorothee Achenbach die Ausstellung „Diana und Actaeon. Der verbotene Blick auf die Nacktheit“ im Museum Kunst Palast in Düsseldorf. Dabei wird im Teaser gefragt: Ab wann ist Porno Kunst? Da sie die Frage nicht beantworten kann oder will, echauffiert sie sich kurz über den schrecklichen Tabubruch und meint zum Abschluss: „Mit Kunst hat das nichts zu tun.“ Danke, dass wir das erfahren durften. Nur: Was hat die nackte Dame auf „Seite 1“ mit Journalismus zu tun, liebe Frau Achenbach? Eine ernsthafte Ausstellungsrezension gibt es in ein paar Tagen hier!

Sabine Wild in Düsseldorf

Höchst selten tue ich etwas, was ich sonst eben nicht tue: Ich komme der Bitte nach, eine Ausstellung zu empfehlen. Ich tue das nur dann, wenn ich auf die Ausstellung auch ohne die Bitte hingewiesen hätte und seit es diesen Blog gibt, ist das erst ein Mal passiert. Jetzt muss ich das aber wieder tun. Ich habe bereits im April auf Sabine Wilds tolle Fotografien von urbaner Architektur hingewiesen (Aufrisse). Nun ist Wild durch NRW gestreift und hat sich des Themas Architektur und Freizeit angenommen. Fotografiert hat sie Architekturobjekte, die im weitesten Sinne mit Freizeitgestaltung zu tun haben, darunter der Movie Park in Bottrop, die Zeche Zollverein in Essen, die Museuminsel Hombroich bei Neuss oder der Landschaftspark Nord in Duisburg, ein ehemaliges Hüttenwerk. Wieder hat Sabine Wild die Bilder in der ihr typischen Art nachbearbeitet. Die Architekturlandschaften sind entvölkert, Menschen sucht man vergebens. Senkrechte und waagerechte Strukturen treten hervor, Farbflächen vibrieren vor dem Auge des Betrachters, surren und flirren. Manche Bilder wirken, als ob die vertikalen und senkrechten Linien aufgemalt worden wären und die Farben …

Werbung radikal im NRW-Forum

Seit den späten achtziger Jahren wandelt sich die Werbung – radikal. Wem ist die Auseinandersetzung um die Benetton-Werbung nicht mehr im Gedächtnis. Fotograf Oliviero Toscani schockte mit Einschusslöchern in einem blutverschmierten Kleidern eines bosnischen Soldaten. Aber auch ein überfülltes Flüchtlingsschiff, eine schwarze Mutter, die ein weißes Baby säugt, oder eine weiße Stute, die von einem dunklen Hengst gedeckt wird, sorgten für Empörung. Benetton hatte erreicht, was man wollte: Aufmerksamkeit, die Marke war in aller Munde. Magazine weigerten sich, die Anzeigen zu drucken, Ladenbesitzer verbannten Benneton aus den Regalen. Geschadet hat es dem Unternehmen trotzdem nicht. Benetton Werbung aus dem Jahr 1994 von Oliviero Toscani (c) Benetton Überhaupt waren Modemarken Vorreiter der radikalen Werbung. Sisley warb in den letzten Jahren ebenfalls mit zweideutigen Werbepostern. Auf einem sitzt eine Frau im roten Nichts mit gespreitzten Beinen vor einem Stier. Oder eine Frau legt einen nackten Mann über’s Knie und versohlt ihm den Hintern mit einem Schuh. Calvin Klein hingegen schrammte häufiger mal scharf an der Grenze zur Pornografie entlang.

Bonjour Russland!

Für viele von uns liegt New York immer noch näher als Moskau. Die meisten Urlaubswilligen können sich durchaus vorstellen, bei einer Shoppingtour durch New York auch mal im MoMA vorbeizuschauen, aber nach Moskau oder St. Petersburg? Urlaub „beim Russen“ oder gar Studien- und Kulturreise nach Russland? Das kommt für viele nicht in Frage oder aber sie denken gar nicht darüber nach. Vielen ist auch gar nicht bekannt, welche ausgezeichneten Museen Russland sein Eigen nennt. Man ist deshalb auch sehr dankbar, wenn die russischen Museen zu uns kommen. Das ist allerdings nicht immer leicht, russische Museen pflegen eine restriktive Entleihungspolitik und aufgrund vieler ungeklärter Eigentumsfragen wegen des Beutekunstvorwurfs zieren sich die Museen bei Entleihungen nach Deutschland gerne. Umso erfreulicher ist die bis zum 06. Januar 2008 laufende Ausstellung „Bonjour Russland“ im Düsseldorfer „museum kunst palast“. Zum ersten Mal sind in Deutschland nebeneinander französische und russische Meisterwerke aus vier russischen Museen zu sehen. Den Fokus legt die Ausstellung auf die Jahre von 1865 bis 1925, jene Zeit also, in denen die Franzosen die Avantgarde waren und die …

Unveröffentlichtes von Sieff

Das NRW-Forum Kultur und Wirtschaft in Düsseldorf zeigt bis 26.08.2007 „Jeanloup Sieff – Inédits/ Unveröffentlichtes“. Sieff wurde 1933 als Kind polnischer Eltern geboren. Eigentlich wolte er als Kind ja Filmregisseur werden. Als er mit 14 Jahren aber einen Fotoapparat geschenkt bekam, muss er es sich wohl anders überlegt haben. Ab 1954 arbeitete der Franzose als freier Fotograf und das so gut, dass er bald für große Modemagazine fotografieren durfte. Elle, Vogue, Harper’s Bazaar – die Liste der Kunden liest sich wie ein Who’s who der Modezeitschriften. Dabei war stand die Mode nie im Zentrum der Fotografie. Für Sieff zählt immer auch das, was in dem Stoff steckte und drum herum geschah. Viele Bilder sind viel mehr künstlerische Arbeiten als Abbilder modischer Erscheinungen (oder Entgleisungen). „Jardin des Modes“ in Paris, 1961, © Jeanloup Sieff Auch als Akt- und Porträtfotograf war Sieff tätig. Eines seiner Stilmittel war der Weitwinkel, der seinen Akten eine Art von Traumverlorenheit gibt und eine gewisse Distanz der nackten Modelle suggeriert, obwohl sie oftmals den Blick direkt auf den Betrachter richten. Sieff war …

Kunst im Untergrund

  Andreas Plum, Elektrische Ente (Himbeere), 2006, Öl auf Leinwand, 120 x 150 cm Elektrische Ente, 2006, Öl auf Leinwand, 170 x 200 cm Electric Mist, 2007, Öl auf Leinwand, 200 x 170 cm Foto: KIT/Yun Lee Düsseldorf hat eine neuen Ausstellungsraum und einen ungewöhnlichen dazu. Rund sieben Meter unter der Erde liegt „KIT“ – „Kunst im Tunnel“. Der beim Bau des Rheinufer-Tunnels in den 90er Jahren übrig gebliebene Raum zwischen den Tunnelröhren und dem Fluss erstreckt sich über 140 Meter Länge und 900 Quadratmeter. Seine Breite verringert sich in einem elliptischen Schwung von rund zehn Metern auf nur knapp einen Meter. Ein architektonisch reizvoller Ort! Die Einrichtung hat sich die Stadt Düsseldorf immerhin 3,4 Millionen Euro kosten lassen. In die Tiefe gelangt der Besucher durch einen Pavillon aus Glas und Stahl, der auch ein kleines Café beherbergt. Pro Jahr sollen hier vier Ausstellungen gezeigt werden, den Auftakt macht die Ausstellung „Hotel Kerberos“ (bis 22. April), bei der Werke von 14 jungen Künstlern zu sehen sind. Ziel des KIT-Raumes soll die Vorstellung junger Kunst sein, …

Picassos Spätwerk in Düsseldorf

Während die einen im Alter an Kreativität verlieren oder sich ihr frühes Werk einfach noch mal vorknöpfen (Baselitz), gibt es andere, die auch im hohen Alter vor Kreativität und Energie nur so strotzen. Das K20 zeigt jetzt eine Ausstellung zum Alterswerk von Pablo Picasso. „Malen gegen die Zeit“ ist der Titel der Ausstellung (bis 28. Mai 2007) und ist die wichtigste These des Kurators Werner Spies. Spies konstatiert einen auffälligen Gegensatz zwischen einer furiosen, oft skizzenhaftexpressiven Malerei und einer erzählfreudigen, akribisch ausgeführten Grafik. Hinter dieser Trennung in einen wilden Stil des Malers und in einen reflektierenden Stil des Grafikers steht die panische Angst Picassos vor der immer knapper werdenden Lebenszeit. Picasso segmentiert seine Arbeitszeit in gleiche Abschnitte, in denen je ein Werk entsteht: ungeachtet der unterschiedlichen Größe. Nicht die Arbeitszeit, sondern die Geschwindigkeit ist dabei variabel, in der im immergleichen Zeitraum unterschiedlichste Formate und Aufgaben bewältigt werden, von der kleinformatigen Radierung bis zum monumentalen Gemälde. In den Motiven des späten Picasso treffen die Gegensätze jugendlicher Vitalität, Erotik und Schönheit auf die Wehmut des Alters und …