Alle Artikel mit dem Schlagwort: Baden-Baden

Das Nichtdarstellbare abbilden

Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden zeigt abstrakte Werke von Gerhard Richter. Wer Gerhard Richter im Atelier besucht, kann gar nicht fassen, dass der Maler vor wenigen Tagen seinen 84. Geburtstag feierte. Richter steht da vor riesigen Leinwänden, auf die er Farbe aufbringt und dann mit großen Rakeln Farbschicht über Farbschicht über die Leinwand zieht. Ein schweißtreibender Akt, den Künstler in diesem Alter meist nur noch von Assistenten ausführen lassen. Doch Richters Arbeit lässt sich nicht einfach fremdsteuern. In einem „gesteuerten Zufall“ entstehen poetische Werke, die ihr Geheimnis nie ganz preisgeben. Im Zentrum der Ausstellung in Baden-Baden steht der 2014 entstandene Zyklus „Birkenau“. Es ist eines dieser „Wischbilder“, in denn ein silbrig schimmernder Vorhang aufreißt und den Blick freigibt auf Rot und Lila, darunter ein changierendes Giftgrün, manchmal auch ein fleischfarbenes Rosa. Fotografien, die 1944 im Konzentrationslager Birkenau aufgenommen wurden, bilden den Ausgangspunkt und die erste Schicht der Gemälde, der überarbeitende Malvorgänge folgten, bis das Grauen dem Blick entzogen wird. Fühlbar bleibt es dennoch. Immer wieder hat Richter sich der Shoah intensiv gewidmet und mit …

Anti-Malerei aus Licht

Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden widmet dem Lichtkünstler Heinz Mack eine Retrospektive Die Düsseldorfer Künstler Otto Piene und Heinz Mack waren von der Nachkriegskunst enttäuscht. Zu sehr mit psychologischem Ballast aufgeladen schien ihnen die herrschende Malerei des Tachismus und Informel, die das Ich des Künstlers so sehr in den Mittelpunkt rückte. Mack und Piene wollten eine Stunde Null und einen Neuanfang in der Nachkriegskunst. Die beiden gründeten 1958 die Künstlergruppe ZERO, der sich bald auch Guenther Uecker anschloss. Im Museum Frieder Burda erhält Mack nun eine Einzelausstellung, die das Werk des Licht- und Kinetik-Künstlers in den Fokus rückt. Dabei hatte Mack eigentlich schon als Maler begonnen, von den gestischen Abstraktionen der 1950er-Jahre abzurücken. Seine frühen Bilder nannte er „Dynamische Strukturen“ und ließ mittels Schwarz und Weiß horizontale und vertikale Geraden entstehen. Später folgten Reliefs aus Metallfolien, Plexiglas, Keramik und Aluminium. Um 1960 entstanden die „Rotoren“. Einzelne Elemente mit Reliefstrukturen werden mittels Motoren bewegt und verändern so stets visuelle Struktur und Motiv. Neben der Bewegung wurde Licht zum zentralen Element in Macks Werk. In seinen …

Der vergessene Impressionist

Im Umfeld der Impressionisten noch Entdeckungen zu machen, ist gar nicht so einfach. In den letzten 100 Jahren wurden nahezu alle Bereiche dieser Kunstrichtung ausgeleuchtet, sicher auch, weil sie sich heute großer Beliebtheit erfreuen und Namen wie Claude Monet, Auguste Renoir und Camille Pissarro für volle Museen sorgen. Es ist deshalb nicht übetrieben, von einer kleinen Sensation und einem visuellen Leckerbissen zu sprechen, wenn das Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts in Baden-Baden jetzt eine Ausstellung zu Lesser Ury auf die Beine gestellt hat, einem der vergessenen, großen deutschen Impressionisten. Ury wurde 1861 in Birnbaum in der Provinz Posen geboren. Er studierte 1879 bis 1880 Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf bei Andreas Müller und Heinrich Lauenstein, anschließend in Brüssel und Paris. 1886 immatrikulierte er sich kurzzeitig in München an der Akademie der Bildenden Künste. Ab 1887 lebte Ury dann in Berlin und gehörte zur Jahrhundertwende gemeinsam mit Max Slevogt, Lovis Corinth und Max Liebermann zu den wichtigsten deutschen Malern. Ury stand den Impressionisten nahe, doch anders als die französischen Impressionisten malte er kaum …

Fiktive Welten im Farbenrausch

Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden zeigt in einer Retrospektive Werke des chilenischen Surrealisten Roberto Matta. Betritt man das Erdgeschoss des Museums Frieder Burda wird man von einer fast sakralen Atmosphäre empfangen. Der Ausstellungssaal ist ein lang gestreckter, hoher Raum an dessen gläserner Stirnseite ein riesiges Bild frei zu schweben scheint. „Les Plaisirs de la Présence“ (1984) ist eines der späten Hauptwerke von Roberto Antonio Sebástian Matta Echaurren. Es ist eine Explosion aus Farben und Linien, die Mattas ganze Lebensfreude verrät.

Chagall in neuem Licht

Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden präsentiert bis 29. Oktober 2006 die Ausstellung „Chagall. In neuem Licht.“ Hundert Hauptwerke von Leihgebern aus der ganzen Welt und aus allen Schaffensperioden Chagalls wurden für die Ausstellung zusammengetragen. So wird der Rundgang durch die Ausstellung zu einem Panorama von Chagalls Leben. Immer wieder ist das weißrussische Dorf zu sehen, wo er 1887 zur Welt kommt und seine Kindheit verbringt. Dieses Dorf wird zum Sehnsuchtsort, den Chagall, wie er selbst sagte, immer mit sich nahm. Auch nach Frankreich, wohin er 1923 übersiedelte. In strahlenden Farben, insbesondere gelb, blau und rot, malte Chagall Kindeheitserinnerungen und gibt seiner Sehnsucht nach Kindheit und Heimat so Ausdruck. „Im neuen Licht“ lautet der Titel der Retrospektive und das darf durchaus wörtlich genommen werden. Nicht nur das das Museum Chagall vom Kitsch befreit und seinen Traumwelten ihre Ernsthaftigkeit zurückgibt, sondern die Bilder erhalten im schönen Tageslicht des Museumsbaus ihre strahlenden Farben zurück. Eine wunderschöne Ausstellung, die sich zu sehen wirklich lohnt. Mehr unter: www.museum-frieder-burda.de