Alle Artikel mit dem Schlagwort: 2011

Ein Laster namens Surrealismus

Ein Tiger springt aus dem Maul eines Tigers der aus einem Fisch springt, der aus einem Granatapfel springt. Dem wütenden Tier voran fliegt ein Gewehr mit aufgestecktem Bajonett auf eine liegende Nackte zu, die ganz entspannt auf einer Erdscholle in einem unendlichen Ozean ruht. Im Hintergrund ein weißer Elefant mit einem Obelisken auf dem Rücken auf meterhohen stelzenartigen Spinnenbeinen. Ein Kreislauf aus Geburt, Leben und Tod, gewürzt mit einer Prise männlicher Potenz und Begierde und weiblicher Anmut. Im Vordergrund umschwirrt eine Biene einen schwebenden Granatapfel. Diesen wahnwitzigen Traum in schönsten Farben malte Dalí und er gilt vielen als eine der Ikonen des Surealismus. Dabei war Dalí von Breton, dem Anführer der surrealistischen Bewegung, längst verbannt worden als er das Bild malte, weil er sich den dogmatischen Regeln des Surrealismus nicht unterwerfen wollte. Salvador Dalí, Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel, eine Sekunde vor dem Erwachen, 1944 Öl auf Holz, 51x41cm Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid Foto: © Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid © 2011, Fundació Gala-Salvador Dalí / ProLitteris, Zürich Für Breton war „das Laster …

Hommage an die Künstlerinnen der Avangarde

Der Name Dora Maar ist vor allem mit Pablo Picasso verbunden. Von 1936 bis 1943 war Maar Muse, Modell und Geliebte Picassos. Doch Mitte der 1930er Jahre hatte Maar sich längst einen eigenen Namen als Fotografin gemacht und verkehrte in Künstlerkreisen. Trotzdem wurde sie nach 1936 kaum noch als eigenständige Künstlerin wahrgenommen, sie war die Frau an Picassos Seite, Gegenstand vieler seiner Gemälde und die Fotografin, die die Entstehung seiner Werke dokumentierte. Bis heute ist Dora Maar nur eingefleischten Kunstkennern als eigenständige Künstlerin bekannt. Eine Ausstellung in Düsseldorf will das ändern. „Die andere Seite des Mondes. Künstlerinnen der Avantgarde“ lässt acht Künstlerinnen der 1920er und 1930er Jahre ins Rampenlicht treten. Diese Zeit war geprägt von heftigen gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen. Die Frauenbewegung war stark geworden, Frauen verlangten politische und gesellschaftliche Teilhabe und riefen nach sexueller Selbstbestimmung. Vorgestellt werden neben Dora Maar auch Hannah Höch, Sophie Taeubner-Arp und Sonia Delaunay und die weniger bekannten Claude Cahun, Florence Henri, Katarzyna Kobro und Germaine Dulac. Sie alle hatten sich den radikalen Kunstbewegungen jener zeit angeschlossen, dem Surrealismus, dem …

Kunst bis in die Unendlichkeit

Louise Bourgeois ist eine Jahrhundertkünstlerin und das im doppelten Wortsinne. Sie ist nicht nur eine Ausnahmekünstlerin, sie hat nahezu das ganze 20. Jahrhundert erlebt, ist bedeutenden Künstlern begegnet, hat sich von ihnen inspirieren lassen und wurde so zum Bindeglied zwischen Moderne und zeitgenössischer Kunst. Bourgeois wurde 1911 in Paris geboren, ging dort zur Schule, studierte Philosophie an der Sorbonne und Kunst bei Fernand Léger. Als sie den Kunsthistoriker Robert Goldwater traf, verliebte sie sich, heiratete und ging mit ihm nach New York. Dort tauchte sie in die entstehende Kunstszene ein, begegnete den vor dem Krieg geflohenen Surrealisten, traf die Abstrakten Expressionisten um De Kooning und Pollock und lernte die Minimal Art- und die Pop Art-Künstler kennen. Ein spannendes und aufregendes Leben. Louise Bourgeois, Fondation Beyeler, Riehen / Basel mit Maman, 1999 Bronze mit Silbernitratpatina, Edelstahl und Marmor, 927,1 x 891,5 x 1023,6 cm Collection The Easton Foundation,courtesy Hauser & Wirth und Cheim & Read Foto: Serge Hasenböhler, © Louise Bourgeois Trust Lange war der Name Bourgeois nur Kunstkennern ein Begriff. Das änderte sich erst, als …

Eine Frage des Geschmacks

Anselm Reyle präsentiert uns in seinem Gemälde Weideglück ein quietschbuntes Landschaftsidyll: Ein zufriedenes Pferd liegt entspannt auf einer Wiese vor einem strahlend blauen Himmel. Mit allerlei Schraffuren, Texturen und silbern glänzenden Lacken wurden Hell und Dunkel und Farbspiele angedeutet. Doch etwas irritiert. Überall auf dem Bild sind kleine Felder mit Zahlen sichtbar. Reyle spielt auf das bei Hobbykünstlern beliebte „Malen nach Zahlen“ an. Der Maler spielt mit der Grenze zwischen Kunst und Kitsch. Was ist Kunst und was Kitsch, wie viel Kommerz steckt in einem Bild und was macht dessen Wert aus? Was macht Kunst überhaupt aus? Zählt einzig der Wille ein Kunstwerk schaffen zu wollen, ist es handwerkliches Können oder ist es der Name des Künstlers? Sind es die Farben und die gekratzten Schraffuren im Bild, die den Willen des Erschaffers zur Kunst dokumentieren und sich über das industrielle Produkt hinwegsetzen? Die erste Ausstellung des neuen Baden-Badener Kunsthallendirektors Johan Holten will untersuchen, ob gängige Kategorien des Geschmacks heute noch brauchbar sind und welche Bedeutung sie innerhalb der zeitgenössischen Kunst haben. Holten selbst kommt zu …

Blickachsen durch Bad Homburg

Bad Homburg ist ein beschauliches kleines Städtchen vor den (nördlichen) Toren von Frankfurt. Hier geht es geruhsam zu, die Stadt gilt als bessere Wohngegend und der Kurcharakter tut ein Übriges. Mittelpunkt der Stadt ist der Kurpark, ein wunderschöner Park mit altem Baumstand und großen Rasen- und Wiesenflächen und diese werden alle zwei Jahre zum Freilichtmuseum für zeitgenössische Bildhauerei. Tony Cragg, Early Forms, 2001 130 x 410 x 160 cm, Bad Homburg, Kurpark(Courtesy Galerie Scheffel, Bad Homburg, und Tony Cragg) Zu verdanken hat die Stadt das Projekt dem umtriebigen Galeristen Christian Scheffel, der in der Stadt seine Galerie betreibt. Er hat das Projekt 1997 im Kleinen begonnen, inzwischen findet die achte Ausstellung statt, die Stadt ist inzwischen Mitveranstalter und der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat die Schirmherrschaft übernommen. Inzwischen ist längst nicht mehr nur der Kurpark Ausstellungsort, sondern auch der romantische Schlossgarten und erstmals überwindet die Ausstellung die Stadtgrenzen und ist auch in der Darmstädter Stadtkirche und der Kunsthalle vertreten, im Camp-Phönix-Park in Eschborn, dem Skulpturenpark in Niederhöchstadt und an der Goethe-Universität in Frankfurt auf dem …

Ai Weiwei ist frei!

Der chinesische Künstler Ai Weiwei, der Mitte April von der chinesischen Polizei auf dem Flughafen Peking festgenommen und an einen unbekannten Ort verschleppt wurde, ist wieder frei. Ai musste eine Kaution hinterlegen. Der Grund für die plötzliche Freilassung sei der gesundheitliche Zustand des Künstlers und ein erpresstes Geständnis, so die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Mehr: China lässt Ai Weiwei frei (Die Zeit) Künstler Ai Weiwei gegen Kaution frei (FAZ)

Die Aufklärung zu Gast in China

Das chinesische Nationalmuseum in Beijing hat am Freitag nach langer Renovierungszeit seine Wiedereröffnung gefeiert. Zelebriert wird die Einweihung mit der Ausstellung „Kunst der Aufklärung“, die sich der Geschichte der Aufklärung in Europa widmet. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Ausstellung im chinesischen Nationalmuseum stattfindet. Das Museum liegt am nördlichen Rand des Tiananmen-Platzes. Hier setzte die chinesische Regierung 1989 der studentischen Revolte ein blutiges Ende. Zu diesem Kapitel chinesischer Geschichte findet sich im Museum nichts, dafür beleuchtet das Museum die Geschichte Chinas von der chinesischen Antike bis in die Gegenwart. Neben Altertümern sind Exponate aus der Parteigeschichte, der Revolution und der neuen Kunst zu bestaunen. Das Museum war in den letzten Jahren wegen Renovierung geschlossen. Das deutsche Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner hat es für 260 Millionen Euro saniert und deutlich vergrößert. Schon der Haupteingang ist imposant. Die Eingangshalle alleine ist so groß, dass sie manch anderes Museum komplett beherbergen könnte. 260 Meter lang und vier Stockwerke ist sie hoch, lichtdurchflutet und leer. Nur eine majestätische Treppe beherrscht den Raum. Rund 200.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche …