Alle Artikel mit dem Schlagwort: 2008

Gerhard Richter in Wien und Duisburg

Wer die Ausstellung „Gerhard Richter – Bilder aus privaten Sammlungen“ im Museum Sammlung Frieder Burder nicht sehen konnte, hat jetzt in der Wiener Albertina bis zum 03. Mai 2009 die Möglichkeit, dies nachzuholen. Anschließend ist die Ausstellung im Duisburger Museum Küppersmühle zu sehen. In Wien heißt die Ausstellung allerdings „Gerard Richter. Retrospektive“ und in der Tat darf man das so sehen. Die bildgewaltige Ausstellung, ohnehin schon reichlich und retrospektiv bestückt, wurde in Österreich durch weitere Leihgaben einer österreichischen Privatsammlung ergänzt, so dass ein Überblick über das Gesamtwerk des bedeutenden Künstlers möglich ist. Die Albertina zeigt neben 70 Gemälden auch bedeutende Werkblöcke seiner Aquarelle und Zeichnungen. Die Ausstellung wandert dann wieder in reduziertem, aber immer noch sehenswerten Umfang nach Duisburg (22. Mai bis 23. August 2009).

Wie man einen Banksy zu Geld macht

The Afflicted Yard: The Rock [via nerdcore] Wer einen Banksy sein Eigen nennt, darf sich glücklich schätzen. Der Graffitikünstler nimmt keine Auftragsarbeiten an und sprüht seine Kunstwerke mit Schablonen in Nacht- und Nebelaktionen in Londons Straßen und gelegentlich auch mal im Ausland. Nachdem der anonyme Künstler inzwischen zu Weltruhm gelangte und seine sozialkritischen Arbeiten teuer verkauft werden, fragt sich mancher Besitzer eines Banksy, wie er die Spuren der Guerillakunst am besten von der wand bekommt. Das Video zeigt, wie man einen Banksy „konserviert“ und zu Geld machen kann…

Sabine Wild in Stuttgart

Sabine Wild, Stuttgarter Landtag, 2008 Bis zum 21. Februar 2009 ist in der Stuttgarter Galerie Dengler und Dengler die Ausstellung „Sightseeing“ mit neuen und älteren Arbeiten der Fotografin Sabine Wild zu sehen. Ich hatte ja schon zwei Mal (hier und hier) etwas zu Sabine Wild geschrieben, die Galerie sagt es aber auch ganz schön: Die Verunklärung der Details in scheinbar pastoser Ölfarbe, läßt das einzelne Bauwerk in der Wirkung zurücktreten, zugunsten der städtebaulichen Situation oder des einzelnen Baukörpers im Stadtraum. Die nüchterne Kälte einer Glasfassade wird durch Malerei emotional überlagert. Gleichzeitig verweigert die digitale Malerei die persönliche Geste, das was Harold Rosenberg die Spur des Künstlers genannt hatte. So stehen die zumeist menschenleeren Stadtbilder von Sabine Wild im Zentrum mehrerer Spannungsfelder, zwischen präziser Photographie und gestischer Malerei, zwischen technischer Perfektion ohne physische Berührung des Subjekts und der vermeintlichen Spuren des Subjektiven, zwischen Vernunft und Gefühl. Ich bin auch immer wieder versucht, die Bilder anzutatschen, um zu schauen, ob sie nicht doch gemalt wurden (nein, sind sie natürlich nicht). Neben Arbeiten aus New York und Berlin …

Archipenko-Retrospektive in Saarbrücken

Das Saarbrücker Saarlandmuseum gehört nicht eben zur ersten Liga deutscher Museen, dafür fehlt es dem kleinen Bundesland einfach an Geld und dem Museum an Räumlichkeiten. Wenigstens das zweite Problem soll sich demnächst mit einem Anbau lösen. Leider sind auch nicht immer alle Ausstellungen wirklich überragend, aber manchmal lohnt sich der Weg ins Saarland mit seiner lebendigen Kulturszene eben doch. Mit dem Nachlass des Bildhauers Alexander Archipenko (1887-1964) besitzt das Saarlandmuseum eine europaweit einzigartige Sammlung an Originalgipsen, Bronzen und Zeichnungen von einem der wichtigsten Wegbereiter der Skulptur des 20. Jahrhunderts. Auf der Grundlage dieser Eigenbestände richtet Museum dem Schaffen Archipenkos die umfangreichste Retrospektive der letzten Jahrzehnte aus. Im Jahre 1909 hatte der junge Ukrainer sich in Paris niedergelassen. Wie andere fortschrittliche Bildhauer seiner Generation interessierte sich Archipenko intensiv für die Skulptur der außereuropäischen Kulturkreise. Im Louvre und in den völkerkundlichen Sammlungen der französischen Hauptstadt standen ihm die Werke der altgriechischen, afrikanischen, orientalischen oder fernöstlichen Hochkulturen in reicher Fülle vor Augen. Archipenkos Schaffen spiegelt dabei auch die Berührung mit den Formexperimenten der Kubisten, die zu Beginn des …

Kuratorin der documenta 13 gewählt

Bernd Leifeld, Geschäftsführer der documenta, teilte heute mit, dass der Aufsichtsrat der Gesellschaft heute einstimmig Carolyn Christov-Bakargiev zur Leiterin der documenta 13 gewählt hat und damit der Empfehlung der internationalen Findungskommission gefolgt ist. Die nächste documenta wird vom 09. Juni bis 16. September 2012 in Kassel stattfinden. Foto: Ryszard Kasiewicz Die Amerikanerin Carolyn Christov-Bakargiev studierte Literatur und Kunstgeschichte. Sie arbeitet als Kuratorin und Autorin in Rom, Turin und New York. Derzeit ist sie Hauptkuratorin des

Turner Prize an Mark Leckey

Der mit 30.000 Euro dotierte Turner Prize geht in diesem Jahr an den Video-Künstler Mark Leckey (44). Für die Jury waren Leckeys Witz und Originalität entscheidend mit der er „eine Vielzahl von Formen“ gefunden habe, „seine Faszination für die visuelle Kultur auszudrücken“. Dabei hat er insbesondere an Comics einen Narren gefressen. Leckey hatte die 1970 in Bangladesch geborene Runa Islam ausgestochen, außerdem Goshka Macuga (geb. 1967 in Warschau) und die 1966 in Belfast geborene Cathy Wilkes. Ehrlich gesagt, hätte ich für Goshka Macuga votiert, allerdings muss ich leider auch sagen, dass keine bzw. keiner der vier Künstlerinnen und Künstler wirklich restlos überzeugen kann. Hier zwei Videos, in denen der Kunstkritiker Nick Hackworth die vier Künstler vorstellt: [quicktime]http://www.360-grad-blog.de/wp-content/uploads/2008/12/tateshots_issue16_turnerone.mov[/quicktime] [quicktime]http://www.360-grad-blog.de/wp-content/uploads/2008/12/tateshots_issue16_turnertwo.mov[/quicktime]

Voll Porno!

Wie ich neulich lernen durfte, sagen Jugendliche heute nicht mehr „cool“ oder „geil“ wie zu meiner Zeit, sondern „voll porno“. Das trifft auch auf die Ausstellung „Diana und Actaeon. Der verbotene Blick auf die Nacktheit“ im Düseldorfer museum kunst palast zu, die ist nämlich wirklich sehenswert. Voll porno, das findet auch die BILD-Zeitung, die findet die Schau allerdings nicht cool, sondern echauffiert sich über die Darstellungen und meint, das sei einfach nur Pornographie und keine Kunst. Ihren Namen hat die Ausstellung von Ovids Mythos der Diana und des Actaeon. Bei einem Streifzug durch den Wald entdeckt der Jäger Actaeon die Göttin Diana beim gemeinsamen Bad mit ihren Nymphen. Überrascht vom begehrenden Blick des Actaeon, verwandelt die nackte Göttin der Jagd den Jäger in einen Hirsch. Von seinen eigenen Hunden nicht mehr erkannt, zerfleischen diese den hilflosen Actaeon. Die Ausstellung zeigt ein großes Konvolut von 300 Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und Grafiken sowie Fotografien und Videos, die sich dem Themenkomplex von Keuschheit und Begehren, von Sehen und Gesehen werden, von Voyeurismus und Exhibitionismus widmen. So illustriert die Schau …

Auf der Suche

Das Haus der Kunst in München bietet hervorragende Ausstellungen. Die gerade erst zu Ende gegangene Robert Rauschenberg-Ausstellung war so eine oder die Ausstellung zu Luc Tuymans im Frühjahr. Ach ja, und natürlich die „Gilbert & George“-Retrospektive im vergangenen Jahr. Man darf das Haus der Kunst also ruhigen Gewissens empfehlen. Wenn dann noch eine Ausstellung gastiert, die das Label „Centre Pompidou“ trägt, gerät man erst recht in Verzückung und Erregung. Die nun gezeigte Schau „Spuren des Geistigen“ (bis 11. Januar 2009) will sich auf die Suche nach dem Spirituellen in der Kunst machen. „Spuren des Spirituellen“ oder „Spuren des Heiligen“ wäre wohl eine bessere Übersetzung von „Traces du Sacré“ gewesen. Mit der Säkularisierung der Gesellschaft im 19. Jahrhundert hat sich die Kunst von den klassischen Bildsujets der Heiligen und der Bibelszenen abgekehrt. Eine neue Bildsprache hielt Einzug. Dies bedeutete jedoch nicht das Ende der Metaphysik. Aber die KünstlerInnen begeben sich auf die Suche, hinterfragen und versuchen Offenbarungen des Göttlichen im Alltag zu finden. In 16 Kapiteln fächert die groß angelegte Ausstellung zentrale Themen verschiedener Epochen seit …

Städel Museum goes Web 2.0

Es geschehen noch Zeichen und Wunder, die deutschen Museen entdecken das Internet. Das Städel Museum war zwar schon länger mit einer eigenen Webseite online, aber sehr spannend war die nicht. Jetzt hat man die Seiten überarbeitet, ein neues Design spendiert und multimedial aufgerüstet. Da gibt es Videostreams, Audiodateien, Kunstgeschichten, die Sammlung wird katalogisiert und mit Lupenfunktion online gestellt und in einer eigenen „Community“ können Besucher diskutieren, Galerien basteln und Lieblingswerke auswählen. Ich bin begeistert, mehr davon. Bleibt zu hoffen, dass sich andere Museen daran ein Beispiel nehmen. Schaut rein, es lohnt sich: www.staedelmuseum.de.

Nebulöses von Andrea Neumann

Das Saarland ist nicht eben reich gesegnet an Galerien. Kein Wunder, es fehlt an zahlungskräftigen Sammlern, die Galeristen haben es schwer. Das kleine Bundesland ist aber auch nicht wirklich reich gesegnet an hervorragenden Künstlern. Trotzdem gibt es eine kleine aber feine Kunstszene. Einer der Kulminationspunkte ist die Galerie K4 von Werner Deller, einem ehemaligen Informatik-Manager, der die Leidenschaft für Kunst zum Beruf machte. Die Galerie stellt regionale und überregionale Künstler aus, widmet sich den Studierenden der Hochschule der Bildenden Künste der Landeshauptstadt, pflegt ein intensives Netzwerk und neben der Galerie gibt es in der Innenstadt noch den Projektraum „K4 Forum“ und im nahegelegen St. Ingbert die „Alte Baumwollspinnerei“, eine ehemalige Fabrik, die Deller in ein Kulturzentrum umwidmen will. Die Galerie versteht sich als ästhetisches Labor und das ist wörtlich zunehmen. Sie ist eine Versuchsstätte, ein Forschungsraum auf der Suche nach dem ästhetisch Wertvollen. Nicht alles, was Deller ausstellt, ist wirklich interessant oder gut oder wertvoll, aber es gibt durchaus Perlen zu entdecken und meist trifft Deller ins Schwarze. Künstler der Galerie sind unter anderem Oliver …