Alle Artikel mit dem Schlagwort: 2006

Französische Druckgraphik

Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe zeigt noch bis 24. September 2006 „Französische Druckgraphik. 1900 bis 1950“. 1948 schenkte die französische Militärregierung der Staatlichen Kunsthalle 90 Blätter aus dem Nachbarland. Inzwischen hat die Kunsthalle die Sammlung mit weiteren Werken ausgebaut. Den Kern bilden 18 Graphiken von Pablo Picasso. Vertreten sind in der Ausstellung aber auch Chagall mit seinen einfühlsam erzählenden Bildern, Léger, Braque, Miro, Max Ernst und weitere französische Künstler. Wer glaubt, Druckgraphik sei langweilig und mit der Kunst eines Gemäldes nicht zu vergleichen, dem sei ein Besuch in der Kunsthalle unbedingt empfohlen. Insbesondere Picassos Arbeiten stehen den Werken aus Öl auf Leinwand in Nichts nach. Im Gegenteil, die filligranen Arbeiten bezaubern durch Themenvielfalt und Ausführung. Wer mehr sehen will, sollte ins Graphikmuseum Picasso in Münster. Mehr unter: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Lauter Nackte in Düsseldorf

Spencer Tunick, Hofgarten DüsseldorfCopyright: museum kunst palast, Foto: Stefan Arendt Heute Morgen war es so weit, Spencer Tunick gab sich die Ehre und hielt seine erste Fotosession auf deutschem Boden ab. In und um das museum kunst palast fotografierte der Meister nackte, wogende und rankende Menschenmassen. Ausgestellt werden die Bilder (und Fotos von weiteren Projekten) ab 30. September 2006 im museum kunst palast. Absolut sehenswert!

Ein Genie feiert Geburtstag

Anlässlich des 400. Geburtstages des großen Rembrandt wird in diesem Jahr kräftig gefeiert. Auch in Berlin sind ab heute im Kulturforum Potsdamer Platz drei Ausstellungen zu sehen. Neben „Rembrandt – Der Zeichner“ und „Rembrandt – Ein Virtuose der Druckgrafik“ zeigt die größte Show „Rembrandt – Genie auf der Suche“ bis 5. November 2006 rund 80 Meisterwerke. Die Ausstellung legt den Fokus ganz auf die „Krisenjahre“ nach 1642. Nach dem Tod von Rembrandts Frau Saskia rutschte Rembrandt in eine tiefe seelische und künstlerische Krise. Er konnte mit Geld nicht umgehen, übernahm sich mit dem Kauf eines Hauses und bekam finanzielle Probleme. Aber auch seine schöpferische Kraft ließ in jenen Jahren deutlich nach. Bis in die 1650er Jahre malte er nur wenige Bilder, blieb aber in seinem Atelier als Lehrmeister tätig. Interessant ist die Ausstellung vor allem da, wo Werke des Meisters denen von Schülern gegenübergestellt werden. Wo doch gerade in den letzten Jahren inbrünstig darüber gestritten wird, welche Bilder nun echt sind und welche von Schülern stammen. Mehr unter: Alte Nationalgalerie

Nichts!

Kann man das Nichts mit bildnerischen Mitteln darstellen? Ist nicht schon jede Darstellung des Nichts kein Nichts mehr? Ist „Nichts“ nicht mehr als reine Imagination? Oder entsteht das Nichts nur im Auge des Betrachters? Die Schirn Kunsthalle in Frankfurt spürt mit der Ausstellung „Nichts“ diesem Thema bis 01. Oktober 2006 nach. Seit der Moderne haben sich Künstler intensiv mit den Ideen des Nichts auseinander gesetzt. Fragt man nach dem Nichts in der Moderne, gelangt man zunächst sehr schnell zum Nichtdargestellten – zur Abstraktion als einer bildlichen Verweigerung in der nichtgegenständlichen Kunst. Väter dieser Haltung gibt es viele: Da ist zuallererst Kasimir Malewitsch mit seinem Schwarzen Quadrat als Mythos der Moderne, das 1915 den Nullpunkt der Malerei markiert. Mit diesem monochromen Viereck in seiner Reduktion auf reine Farbe und pure Form scheint die Entleerung des Bildes vollkommen. Letzte Bilder werden seitdem viele gemacht. Sie entstehen bei Ad Reinhardt, der von 1960 bis zu seinem Tod – ausschließlich und geradezu obsessiv – gleichförmige, kaum unterscheidbare schwarze Bilder, „ultimate paintings“, malt. Immer wieder kolportiert wird das geflügelte Wort …

Mit heißer Nadel „gestrickt“

aus der Bildreihe „generativ, 1994-1999“ © Galerie Giedre Bartelt, Annegret Soltau Annegret Soltau ist seit beinahe 30 Jahren freischaffende Künstlerin. Techniken, Materialien und Themen hat sie in dieser Zeit häufig gewechselt, von der Malerei und Grafik über Performance, Foto und Video bis hin zu digitalisierten Leuchtkästen. Geschickt nutzt sie die unterschiedlichen Materialien und Techniken und arbeitet gekonnt mit den Schnittstellen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn Risse und Schnitte ziehen sich buchstäblich wie ein roter, respektive schwarzer Faden durch ihr Werk. Im Zentrum steht dabei das Bild des Menschen, speziell der Frau, selbstreflektierend und analysierend in Bezug auf die Gesellschaft. Ihr eigenes Leben dient ihr dabei als Rohstoff, allerdings nicht um autobiografisch zu arbeiten. Soltau nimmt Selbstportäts und Fotos, zerreißt sie und verspinnt die entstandenen Risse mit Nadel und Faden zu neuen Bildern. Ihre Themen sind Weiblichkeit, Tod, Gewalt, Schwangerschaft und Geburt, Generationenfolgen und die Suche nach den eigenen Wurzeln. Dabei ist ein Oeuvre entstanden, das durch seine kontrastierenden Facetten besticht, durch seine Drastik und Intimität. Der Betrachter wird zum Zeugen einer schonungslos-analytischen Kunstäußerung. Die …

Back to the future

Wie oft haben wir schon gehört, dass die Malerei tot ist. Mal war es die gegenständliche Malerei, dann die Malerei überhaupt. Doch die neuen Medien konnten die Malerei nur ins Dunkel drängen, gestorben ist sie nicht. Eigentlich gab es das ganze 20. Jahrhundert hindurch immer zwei Stränge in der Malerei. Zwar war die Abstraktion die gefeierte, aber die figurative Malerei war immer da. Inzwischen ist sie auch wieder ins Licht zurückgetreten, figurative Malerei ist in. Der Kunstmarkt zahlt Höchstpreise, man denke nur an die „Neue Leipziger Schule“. Die Hypo-Kunsthalle in München zeigt bis Mitte August die Ausstellung „Zurück zur Figur. Malerei der Gegenwart“. Gleichzeitig nehmen sich auch mehrere Galerien der Stadt des Themas an. Eine schöne Idee, wird doch so ein breites Spektrum zeitgenössischer Malerei präsentiert und ermöglicht einen guten Überblick. Durch ihre Zusammenstellung machen die Bilder deutlich, welche Genres und Traditionslinien für die aktuelle Malerei wichtig sind. Ein besonderer Reiz liegt im Dialog der verschiedenen Generationen, denn „Altmeister“ wie Lucian Freud, Eric Fischl, Mel Ramos, Alex Katz oder Maria Lassnig sind ebenso zu sehen …

Yves Klein und Marie Raymond – Mutter und Sohn

Wer nach Künstlern und ihren künstlerischen Beziehungen sucht, landet meist bei KünstlerkollegInnen, manchmal auch bei den LebensgefährtInnen. Ganz selten sind es aber auch Eltern und Kinder, die sich beeinflussen und in ihrem Werk Bezug auf den jeweils anderen nehmen. Eine Ausstellung im Ludwigmuseum in Koblenz geht auf Spurensuche und untersucht das Werk von Yves Klein (1928-1962) und seiner Mutter Marie Raymond (1908 – 1989). Die Gegenüberstellung der Werke von Yves Klein und Marie Raymond könnte kaum pointierter sein: Der junge Yves Klein, der innerhalb von nur sieben Jahren eine Weltkarriere schafft und durch den frühen Tod 1962 im Alter von nur 34 Jahren aus seinem kometenhaften Schaffensdrang herausgerissen wurde, wird hier mit dem künstlerischen Werk seiner Mutter in Beziehung gebracht, deren Wirken in Frankreich eine große Würdigung erfahren hat. Yves Klein gilt bis heute als eine der interessantesten und radikalsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, der mit seinen künstlerischen Statements alle entscheidenden Bewegungen der Moderne vorwegzunehmen und bereits zu einem Zeitpunkt zu realisieren vermochte, als über „happenings“ und „performances“ bei vielen nicht einmal nachgedacht wurde. Die …

Chagall in neuem Licht

Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden präsentiert bis 29. Oktober 2006 die Ausstellung „Chagall. In neuem Licht.“ Hundert Hauptwerke von Leihgebern aus der ganzen Welt und aus allen Schaffensperioden Chagalls wurden für die Ausstellung zusammengetragen. So wird der Rundgang durch die Ausstellung zu einem Panorama von Chagalls Leben. Immer wieder ist das weißrussische Dorf zu sehen, wo er 1887 zur Welt kommt und seine Kindheit verbringt. Dieses Dorf wird zum Sehnsuchtsort, den Chagall, wie er selbst sagte, immer mit sich nahm. Auch nach Frankreich, wohin er 1923 übersiedelte. In strahlenden Farben, insbesondere gelb, blau und rot, malte Chagall Kindeheitserinnerungen und gibt seiner Sehnsucht nach Kindheit und Heimat so Ausdruck. „Im neuen Licht“ lautet der Titel der Retrospektive und das darf durchaus wörtlich genommen werden. Nicht nur das das Museum Chagall vom Kitsch befreit und seinen Traumwelten ihre Ernsthaftigkeit zurückgibt, sondern die Bilder erhalten im schönen Tageslicht des Museumsbaus ihre strahlenden Farben zurück. Eine wunderschöne Ausstellung, die sich zu sehen wirklich lohnt. Mehr unter: www.museum-frieder-burda.de

Das Leben ist schön!

„Ist das Leben nicht schön?“ ist der übergreifende Titel einer Gruppenausstellung, die in vier unabhängigen Kapiteln im Laufe des Jahres 2006 im Frankfurter Kunstverein präsentiert wird. Vorgestellt werden die Arbeiten der Künstler Esra Ersen (Türkei), Wilhelm Sasnal (Polen), Arturas Raila (Litauen) und Tommy Støckel (Dänemark), die in diesem Zusammenhang ihre erste umfangreiche Einzelpräsentation in Deutschland haben werden. In den Medien Video, Malerei, Fotografie und Skulptur, beschäftigen sich diese Künstler auf unterschiedliche Art mit zeitgenössischen sozialen Fragen, wie z. B. mit der allgemeinen kulturellen Homogenisierung der Gesellschaft als Konsequenz von Globalisierungsprozessen. Im Laufe des Jahres 2006 werden die vier Ausstellungen in der ersten Etage des Frankfurter Kunstvereins präsentiert, begleitet von einem umfangreich Programm an Fachdiskussionen, Künstlergesprächen, Workshops und Führungen. Bis zum 9. September 2006 wird nun das zweite Kapitel präsentiert. Der Frankfurter Kunstverein zeigt 60 Arbeiten des Polen Wilhelm Sasnal. Sasnal wurde 1972 im polnischen Tarnow geboren und studierte in Krakau Architektur und Kunst. Dort lebt und arbeitet er auch heute. Obowhl Sasnal erst 34 Jahre alt ist, hat er bereits mehrere hundert Arbeiten von ausgezeichneter …

Sprengel macht Ernst

Das Sprengel-Museum in Hannover ist in der glücklichen Lage, über eine der umfangreichsten Sammlungen zum Werk Max Ernsts zu verfügen. Diese präsentiert das Haus jetzt in einer Ausstellung, die bis zum 17. September 2006 läuft. Gezeigt werden über 500 Arbeiten: bedeutende Ölgemälde und Skulpturen sowie Papierarbeiten – darunter sehr seltene frühe Collagen, Zeichnungen, Frottagen und die bedeutenden Collagenromane aus den 1930er Jahren, eine der schönsten Erfindungen von Max Ernst. Er hat entscheidend die avantgardistischen Entwicklungen des Dadaismus und Surrealismus zwischen den Weltkriegen geprägt und damit die Kunst des 20. Jahrhunderts nachhaltig beeinflusst. Sehtipp! Mehr unter: sprengel-museum.de