Alle Artikel in: Sehenswert

Jenseits aller Limitierungen

Die Galerie Zimmerling & Jungfleisch zeigt Arbeiten ihrer Künstler, die am ArtWalk beteiligt sind. Der ArtWalk ist fertig. Das war wohl die wichtigste Botschaft der Vernissage am vergangenen Samstag in der Saarbrücker Galerie Zimmerling & Jungfleisch. Grundidee des Projekts ist die Gestaltung von zwölf Hauswänden durch fünfzehn renommierte Urban-Art-Künstler in der Innenstadt Saarbrückens. Ab Herbst sollen diese dann zu einem Kunstspaziergang vernetzt werden. Nachdem die Galerie Neuheisel bereits vor einigen Wochen ihre beteiligten Künstler vorgestellt hat, ist nun die Galerie im Quartier am Eurobahnhof an der Reihe. Auch wenn die Gruppenschau dieses Mal nicht so richtig harmonisch wirkt, ist die Ausstellung empfehlenswert. Es besteht nämlich die seltene Möglichkeit, bei einem Spaziergang durch die Stadt die Werke von Street-Art- und Graffiti-Künstlern im urbanen Raum zu sehen und dann in der Galerie ihre Wandlung zu Leinwand-Akteuren zu verfolgen, die sich von den Limitierungen ihrer ursprünglichen Kunst befreit haben. Da ist Alexey Luka, der neben der Skizze zu seinem Werk an der Garage auch eine Assemblage zeigt, die seine Arbeit in die dritte Dimension wachsen lässt. Oder LX.One, …

Fiebrige Linien und verschlucktes Blau

Die Saarbrücker galerieampavillon in der Mainzer Straße zeigt eine retrospektive Ausstellung zu Hermann Theophil Juncker Die Kunstgeschichte der Nachkriegszeit wurde im Saarland vor allem von der „neue gruppe saar“ bestimmt. Für die Künstler abseits der Konkreten Kunst blieb in der Öffentlichkeit nur wenig Platz und so sind ihre Namen bis heute oft nur Kennern der regionalen Kunstszene ein Begriff. Dazu zählt auch Hermann Theophil Juncker. Juncker wurde 1929 in Ludwigshafen geboren und kam 1931 in das Saarland, als der Vater eine Stelle als Religionslehrer in Homburg antrat. Vater Franz, selbst Maler, prägte den Filius und förderte ihn früh. Von 1950 bis 1954 studierte Juncker an der Kunstakademie Karlsruhe bei Otto Laible und Erich Heckel. In den 1950er Jahren malte er noch stark gegenständlich und im Stil der Expressionisten, versank dann kurz im Kubismus und fand schließlich seinen eigenen Stil. Die Linie wurde zum bestimmenden Element seiner Arbeit. Die Form vollendet sich bei Juncker aus dem Strich, der ohne zur Schraffur zu werden auf dem Blatt kumuliert. Trotz der Gegenständlichkeit der Bilder bleiben diese nahe an …

© Anja Niedringhaus / Associated Press, Privatbesitz, Courtesy Stiftung Situation Kunst, Bochum

Der andere Blick auf den Krieg

Die Stiftung Demokratie Saarland zeigt mehr als 50 Fotos der verstorbenen Kriegsfotografin Anja Niedringhaus Als sich die Nachricht des Todes von Anja Niedringhaus am 4. April 2014 über die Newsticker verbreitete, war die Bestürzung groß. Vier schwere Verletzungen hatte die 48-jährige Kriegsfotografin in den letzten 20 Jahren erlitten und immer wieder war sie nach ihrer Genesung in die Kriegsregionen dieser Welt gezogen. Niedringhaus arbeitete für die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) im Irak, in Libyen, im Gazastreifen und in Afghanistan und war eine der wenigen Frauen in diesem Beruf. Sie reagierte ungehalten, wenn man sie darauf ansprach und doch fragt man sich beim Betrachten der Bilder in der noch von ihr konzipierten Ausstellung „At War“ – im Krieg –, ob ein Mann ähnlich vorgegangen wäre. Niedringhaus war mit großer Sensibilität unterwegs. Bilder von Toten vermied sie, von Verletzen machte sie meist nur Detailaufnahmen oder bat später um Erlaubnis für die Veröffentlichung. Sensationslust war nicht ihr Antrieb. Das Grauen des Krieges ist bei ihr in den Gesichtern der Menschen lesbar. In ihren Arbeiten finden sich viele Alltagsszenen, …

Gerissene Farbe

Das Museum St. Wendel zeigt mit Papierarbeiten von Jo Enzweiler ein Überblick über das Schaffen des Saarländers In den 1960er und 1970er Jahren war das Saarland tiefe Provinz. Hierher verirrte man sich nur, wenn man mit Kohle und Stahl zu tun hatte oder auf der Durchreise in den Frankreichurlaub war. Künstlerisch war die Region allerdings damals schon ein lebendiger Ort. Keimzelle dieser Kunstszene, die bis heute nachwirkt, war die „neue gruppe saar“ um Boris Kleint und Oskar Holweck, die sich ganz der konkret-konstruktiven Kunst verschrieben hatte. Nicht ganz unbeteiligt am Erfolg jener Jahre und den Nachwirkungen war Jo Enzweiler. Der heute Zweiundachtzigjährige hatte in den 1950er Jahren in München bei Ernst Geitlinger und am Hochschulinstitut für Kunst und Werkerziehung in Saarbrücken studiert. Dort war Kleint sein Professor. Bis in die 1970er Jahre war Enzweiler dann als Lehrer tätig, anschließend Hochschullehrer an der Pädagogischen Hochschule und schließlich Gründungsrektor der Kunsthochschule. So ganz nebenbei rief er mit Kollegen die Galerie St. Johann ins Leben und gründete 1993 das Institut für aktuelle Kunst, das er bis heute leitet. …

Schmerzhafte Begegnungen in der Wanne

Wer am Freitag Abend an der Stadtgalerie vorbeikam, erlebte im Innenhof eine gespenstische Szenerie. Eine Frau und ein Mann schleppten wortlos Eimer mit Splitt und kippten ihn in eine Badewanne. Irgendwann bestiegen sie diese und rieben sich und den anderen mit den Steinchen ein. Man sah ihnen immer wieder den Schmerz und die Anstrengungen an. Plötzlich erhoben sich die beiden, gingen zu einer zweiten Wanne und begannen sich zu waschen. Auch hier kam es zu einem Miteinander. Man schrubbte sich gegenseitig, besann sich immer wieder auf sich selbst, tauchte in das Wasser ein und keuchend wieder auf. Irgendwann stieg das Paar aus der Wanne heraus und verschwand. Die Szene entpuppte sich als grandiose Live-Performance der deutsch-türkischen Künstlerin Nezaket Ekici und des Israelis Shahar Marcus und zweifellos ist dies die bisher eindrücklichste Aufführung des Duos. Das eigentliche Medium der Künstler ist ihr Körper mit dem sie in Beziehung zueinander treten, Energien aufbauen und sich entladen lassen und so miteinander kommunizieren. Insbesondere Ekici geht dabei immer wieder sichtbar an ihre Grenzen. Kein Wunder, ist die Deutsch-Türkin doch …