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Still Life with 4030 (New Zealand), 4927 (Italy), 4940 (USA), 3127 (Mexico), 4433 (Panama) and 4958 (Mexico) Andrzej Maciejewski (*1959) Fotografie, 2011 © Andrzej Maciejewski

Luxus im Angesicht des Todes

Die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim versuchen sich in einer umfassenden Darstellung des Barock-Zeitalters Von Körperhygiene hatten die Menschen des Barock eine ganz eigene Vorstellung. Wasser war verpönt, weil man befürchtete, dass es Krankheitskeime in die Haut spülte. Also puderte man, was die Perücke aushielt, rieb sich mit feinen Tüchern ein und parfümierte sich gegen den gewissen Geruch. Gebadet wurde nur mit medizinischen Zusätzen als Therapie gegen so manches Zipperlein und gegen unangenehme Begleiter half eine Flohfalle in den unzähligen Kleidungsschichten. Die Ausstellung „Barock – Nur schöner Schein?“ macht deutlich, dass die Annehmlichkeiten des 17. und 18. Jahrhunderts vor allem der Oberschicht vorbehalten war. So erzählt die Ausstellung weitgehend die Geschichte der Reichen und Mächtigen. Während Adel und Klerus im Reichtum schwelgten, war die ärmere Bevölkerung den Wirren der Zeit ausgeliefert. Konfessionelle Auseinandersetzungen, Kriege, Hungernöte und Pestepidemien beutelten die Menschen. Angesichts solcher Gefahren war der barocke Mensch von einem tief verwurzelten Todesbewusstsein geprägt. Vanitas-Stillleben und Memento-Mori-Darstellungen waren Ausdruck dieser Angst. Prachtvolle Blumensträuße erinnern an die Vergänglichkeit von Schönheit und Jugend und an das Vergehen alles Irdischen. Totenschädel, …

Landschaften aus dem Baukasten

Das Gemälde „Ein Seehafen“ (1644) kommt dem Betrachter merkwürdig vertraut vor und wirkt doch konstruiert. Links sind einige Gebäude erkennbar, ein bisschen Renaissance-Stil, ein bisschen Barock, zwei Campanile ragen in den Himmel. Am rechten Bildrand rahmt eine Flottille aus Großseglern die Szene ein, im Vordergrund herrscht geschäftiges Treiben an der Mole. Unwillkürlich fragt man sich, welchen Hafen der Maler hier wohl verewigt hat. Ist es Venedig oder Marseille? Vielleicht Genua oder Livorno? Nichts von alledem. Das Bild stammt von Claude Gellée den alle wegen seiner Herkunft aus dem kleinen lothringischen Dorf Chamagne nur „Le Lorrain“ nannten. Dort wurde Claude um 1600 geboren. Wenig ist über die Jugend des Lothringers bekannt. Die Eltern starben früh, sodass er sich alleine durchschlagen musste. Er ging nach Rom und wurde Pastetenbäcker. Ein Zufall ließ ihn eine Anstellung bei dem Maler Agostino Tassi finden, der das Talent des jungen Mannes erkannte und ihn zum Maler ausbildete. Zu seinen frühen Förderern gehörte auch der niederländische Künstler Herman van Swanevelt, der im gleichen Haus wohnte. Schnell erfreuten sich Claude Lorrains Gemälde großer …