Alle Artikel in: Kunst im 18. Jahrhundert

Still Life with 4030 (New Zealand), 4927 (Italy), 4940 (USA), 3127 (Mexico), 4433 (Panama) and 4958 (Mexico) Andrzej Maciejewski (*1959) Fotografie, 2011 © Andrzej Maciejewski

Luxus im Angesicht des Todes

Die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim versuchen sich in einer umfassenden Darstellung des Barock-Zeitalters Von Körperhygiene hatten die Menschen des Barock eine ganz eigene Vorstellung. Wasser war verpönt, weil man befürchtete, dass es Krankheitskeime in die Haut spülte. Also puderte man, was die Perücke aushielt, rieb sich mit feinen Tüchern ein und parfümierte sich gegen den gewissen Geruch. Gebadet wurde nur mit medizinischen Zusätzen als Therapie gegen so manches Zipperlein und gegen unangenehme Begleiter half eine Flohfalle in den unzähligen Kleidungsschichten. Die Ausstellung „Barock – Nur schöner Schein?“ macht deutlich, dass die Annehmlichkeiten des 17. und 18. Jahrhunderts vor allem der Oberschicht vorbehalten war. So erzählt die Ausstellung weitgehend die Geschichte der Reichen und Mächtigen. Während Adel und Klerus im Reichtum schwelgten, war die ärmere Bevölkerung den Wirren der Zeit ausgeliefert. Konfessionelle Auseinandersetzungen, Kriege, Hungernöte und Pestepidemien beutelten die Menschen. Angesichts solcher Gefahren war der barocke Mensch von einem tief verwurzelten Todesbewusstsein geprägt. Vanitas-Stillleben und Memento-Mori-Darstellungen waren Ausdruck dieser Angst. Prachtvolle Blumensträuße erinnern an die Vergänglichkeit von Schönheit und Jugend und an das Vergehen alles Irdischen. Totenschädel, …

Die Aufklärung zu Gast in China

Das chinesische Nationalmuseum in Beijing hat am Freitag nach langer Renovierungszeit seine Wiedereröffnung gefeiert. Zelebriert wird die Einweihung mit der Ausstellung „Kunst der Aufklärung“, die sich der Geschichte der Aufklärung in Europa widmet. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Ausstellung im chinesischen Nationalmuseum stattfindet. Das Museum liegt am nördlichen Rand des Tiananmen-Platzes. Hier setzte die chinesische Regierung 1989 der studentischen Revolte ein blutiges Ende. Zu diesem Kapitel chinesischer Geschichte findet sich im Museum nichts, dafür beleuchtet das Museum die Geschichte Chinas von der chinesischen Antike bis in die Gegenwart. Neben Altertümern sind Exponate aus der Parteigeschichte, der Revolution und der neuen Kunst zu bestaunen. Das Museum war in den letzten Jahren wegen Renovierung geschlossen. Das deutsche Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner hat es für 260 Millionen Euro saniert und deutlich vergrößert. Schon der Haupteingang ist imposant. Die Eingangshalle alleine ist so groß, dass sie manch anderes Museum komplett beherbergen könnte. 260 Meter lang und vier Stockwerke ist sie hoch, lichtdurchflutet und leer. Nur eine majestätische Treppe beherrscht den Raum. Rund 200.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche …

Goya in Zwickau

Der spanische Künstler Francisco José de Goya y Lucientes (1746-1828) gilt bis heute als Wegbereiter der modernen Kunst in Europa, war Vorbild für Künstler wie Picasso und hat das Zeitalter der Aufklärung entscheidend mitgeprägt. In dem sozial, religiös und kulturell zerrissenen Spanien des ausgehenden 18. Jahrhunderts wagte der königliche Hofmaler Goya eine Gratwanderung zwischen klassischer Auftragskunst für den spanischen Adel und das Bürgertum sowie Sozial- und Gesellschaftskritik, die er oftmals in karikaturhaften Bildern „versteckte“. Seine kritischen Arbeiten finden sich vor allem in vier Serien von Aquatintaradierungen wieder, die in einer Sonderausstellung der Kunstsammlungen Zwickau vollständig gezeigt werden. CAPRICHOS, Blatt 10, El Amor y la muerte, Die Liebe und der Tod 21,5 x 15 cm, Radierung, Aquatinta poliert, Grabstichel, Harris 45/III Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft Freiburg i.Br. „Los Caprichos“ („Einfälle“), der aus 80 Blättern bestehende Zyklus, entstand in den Jahren 1797-1799 und zeichnet das Bild einer dekadenten, sich am Abgrund befindenden Gesellschaft nach. „Los Desastres de la Guerra“ („Die Schrecken des Krieges“), 80-teilig, thematisieren die menschlichen Grausamkeiten und die verheerende Hungersnot während der napoleonischen Herrschaft …

Goyas Geister

Foto aus „Goyas Geister“© TOBIS Film Jedes Jahr kommen ein oder zwei Künstlerfilme ins Kino. Und leider sind die meisten nicht wirklich gut. Nicht wirklich gut im Sinne dessen, was man als kunstinteressierter Mensch erwartet. Eigentlich sollte ein solcher Film Leben und Werk eines Künstlers beleuchten, seinen Werdegang und sein Arbeiten. Natürlich darf es auch ein bisschen Liebe, Schmerz und Rivalität geben, um dem Stoff die nötige Würze zu verleihen und Zuschauer in Massen ins Kino zu locken. Doch leider treten bei den meisten Filmen über Künstler Liebe, Herzschmerz und Dramatik in den Vordergrund. Leben und Werk dienen nur als Aufhänger und schmückendes Beiwerk. „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ ist ein gutes Beispiel für solch einen Film. So auch im Fall von Goyas Geister. Dabei gäbe Goya eigentlich eine perfekte Kinofigur ab. Er war eine schillernde Persönlichkeit, Revoluzzer gegen Klerus und Krieg. Bei allem Interesse an den Leiden des einfachen Volkes auch ein von Geltungssucht Getriebener, der gerne in aristokratischen Kreisen verkehrte. Rebell und Beobachter seiner Zeit. Doch von all dem zeigt der Film wenig, …

Charakterköpfe im Liebieghaus

Franz Xaver Messerschmidt, „Demokrit“ (nach 1770, Alabaster), „Innerlich verschlossener Gram“ (nach 1770, Blei) und „Der weinerliche Alte“ (nach 1770, Zinn)Landesmuseum Württemberg, Stuttgart, Fotos: Peter Frankenstein, Hendrik Zwietasch Nein, mit den Charakterköpfen sind nicht Liebieghaus-Direktor Max Hollein oder seine Kuratorin Dr. Maraike Bückling gemeint, sondern die „Phantastischen Köpfe des Franz Xaver Messerschmidt.“ Erstmals steht der ungewöhnliche, österreichische Künstler(1736-1783) im Blickpunkt einer großen Ausstellung. Der Bildhauer ist für viele einer der wichtigsten Vertreter der Aufklärung in Österreich. Geschätzt von Maria Theresia war er in seinem Heimatland sogar so etwas wie ein Hofbildhauer und erhielt vom Hofe zahlreiche Aufträge. Zahlreiche Künstler, unter ihnen Francis Bacon und Arnulf Rainer, haben sich von seinem Werk inspirieren lassen. Seinen heutigen Ruhm verdankt Messerschmidt vor allem den „Charakterköpfen“, einer Reihe von Porträtbüsten mit grimassenhaften, clownesken, schreienden und lachenden Gesichtern, deren kraftvolle Ausstrahlung den Betrachter in den Bann zieht und fasziniert. Die Ausstellung will die Hintergründe von Messerschmidts Arbeit analysieren und sucht nach der Intention seiner Arbeiten. Sollen die Köpfe grundlegende menschliche Gefühle wie Angst, Ekel, Trauer, Freude und Ärger darstellen? Die stark …

Caspar David Friedrich Retrospektive in Essen

Caspar David Friedrich, Böhmische Landschaft, um 1808, Staatsgalerie Stuttgart Das Museum Folkwang in Essen zeigt seit Freitag (und noch bis 20. August 2006) eine einmalige Retrospektive zum Werk des Romantikers Caspar David Friedrich (1774-1884). Zu sehen sind 70 Gemälde und 120 Arbeiten auf Papier. Zum ersten Mal wurde auch Friedrichs Meisterwerk „Kreidefelsen auf Rügen“ für eine Ausstellung verliehen. Die Ausstellung zeigt so einen hervorragenden Überblick über das Oeuvre von CDF. Urteil: Sehenswerte Ausstellung, die man sich nicht entgehen lassen sollte! Mehr unter: Ausstellung Caspar David Friedrich – Die Erfindung der Romantik