Alle Artikel in: Kunstmarkt und Messen

Mehr als nur Verkaufsshow

Die zweite Ausgabe der Kunstmesse Luxemburger Art Week bot einige Überraschungen Die Halle Victor Hugo im schicken Luxemburger Viertel Limpertsberg ist eine der typischen Multifunktionshallen in Großstädten. Hier finden Vortragsveranstaltungen statt, Auftritte, Bälle und Prunksitzungen der Karnevalsvereine. Seit 2015 ist der Saal im November aber auch Epizentrum der regionalen Kunstszene. Die Galerie Nosbaum Reding veranstaltete hier in der vergangenen Woche die zweite Luxembourg Art Week. Die Kunstmesse versammelte nicht nur 47 internationale Galerien, sondern bot von Mittwoch bis Sonntag auch ein umfangreiches Begleitprogramm aus Konzerten, Diskussionsrunden und Workshops. Auch die Museen der Stadt waren eingebunden. Kräftig gewachsen war die Messe in diesem Jahr. 2015 waren es noch 19 Galerien und etwa 7000 Besucher. Dieses Jahr sind es schon 47 Galerien und auch die Besucherzahl dürfte deutlich gestiegen sein. Initiator ist Galerist Alex Reding, der die Luxemburger Kunstszene in ihrer ganzen Breite zeigen möchte. Dazu hat er den jährlich stattfindenden „Salon du CAL“ um eine Kunstmesse erweitert. Der Salon bietet schon seit Jahren einen Überblick über die aktuellen Arbeiten der Mitglieder des Künstlerbundes „Cercle Artistique de …

Rohrkrepierer deluxe

17 Jahre lang war die „art frankfurt“ ein fester Termin im Kunstmessenkalender. Immerhin rund 2000 Künstler wurden von 150 Galerien präsentiert. 2005 war dann Schluss – es kamen einfach zu wenige besucher, die kaufkräftige Sammlerklientel fehlte fast völlig. Michael Neff verkleinerte die Messe radikal und nannte sie fortan „Fine Art Fair Frankfurt“. Aber nach zwei Ausgaben war auch damit Schluss. In diesem Jahr sollte die Mainmetropole nun wieder eine Kunstmesse bekommen. Groß angekündigt wurde das Projekt im vergangenen Oktober – recht spät. Ob es wohl daran lag, dass statt der angepeilten 150 bis 200 Ausstellern nur 60 kommen wollten oder war die Jury zu streng? Der eigenen Anspruch war hoch. Direktoren der Messe sind Wolf Krey von der Kunstmesse München und Galerist Eric Beuerle de Castro, als Beirat ließen sich Ottmar Hörl, Klaus Gallwitz, Hans Ottomeyer und Jean-Christophe Ammann anwerben – durchaus klangvolle Namen, die ein hohes Niveau versprachen. Ich hatte vor, die Messe zu besuchen, um mir einen persönlichen Eindruck zu machen, musste dann aber kurzfristig umdisponieren, weil mir ein anderer Termin dazwischen kam. …

Qualität oder Quantität?

Als das Centre Pompidou 2010 in Metz eröffnet wurde, pilgerten die Besucher in Scharen in das neue Museum. Mit der Ausstellung „Meisterwerke?“ präsentierte die Dependance des Pariser Museums Schätze aus der Sammlung. Doch seither sinken die Besucherzahlen des Museums kontinuierlich. Selbst gelungene Ausstellungen wie die mit den Wandbildern Sol LeWitts, die Ausstellung „1917“, „Paparazzi“ oder „Der Blick von oben“ konnten diesen Trend nicht aufhalten. Die Politik war enttäuscht, weil bei Politikern nicht Qualität, sondern Quantität zählt, und so setzte sich eine Runde aus lothringischen Regionalpolitikern und Kulturministerin Aurélie Filipetti gegen CPM-Direktor Laurent Le Bon durch und änderte das Konzept des Hauses. Seit März und noch bis 2016 zeigt das Haus nun in einer Dauerausstellung im großen Ausstellungssaal „Phares“, „Leuchttürme“. Als Trostpflaster gab es noch 500 000 Euro für die neue Schau und das Museum soll weitere 4,6 Mio. Euro aus dem Regional-Pakt Lothringen bekommen. Eventuell soll die Ausstellung auch über 2016 hinaus bestehen bleiben und nur ein Teil der Werke ausgetauscht werden, so wie es die Louvre-Dependance in Lens tut. Die neue Dauerausstellung zeigt vor …

Der Kritiker Jerry Saltz über den Untergang der Galerieausstellung

Der amerikanische Kritiker Jerry Saltz hat einen wunderbaren Beitrag über die New Yorker Galerienszene geschrieben, die sich auch auf Deutschland übertragen lässt. Besonders gefallen hat mir dieser Absatz: So wie die Ausstellungen nicht mehr richtig in Schwung kommen, so hat heute auch die Kritik einen schweren Stand – außer sie betritt selbst die Arena und inszeniert sich als Spektakel. (Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede.) Dazu kommt noch, dass man einer ganzen Generation akademisch ausgebildeter Kritiker beigebracht hat, unverständlich zu formulieren und sich jeder Meinung und negativer Kritik zu enthalten. Er hat so recht, der Gute, die meisten KollegInnen KritikerInnen sind heute zu Berichterstattern verkommen, die möglichst blumig daherschwurbeln… Unbedingt ganz lesen unter: Tod der Galerieausstellung

Totaler Räumungsverkauf – alles muss raus!

Durch sämtliche Medien zieht sich heute die Meldung von dem spektakulären Auktionsergebnis des gestrigen Tages: Die Skulptur „L’Homme qui marche I“ des Schweizer Bildhauers Alberto Giacometti wurde am Mittwochabend bei Sotheby’s in London für 65 Millionen Pfund (rund 74 Millionen Euro) versteigert. Taxiert war das Werk auf 18 Millionen Euro. Ds Ergebnis lag knapp über dem Rekord, den ein Picasso im Jahr 2004 erreicht hatte. Die Plastik aus dem Jahr 1961 ging nach einem nur acht Minuten langen Wettbewerb an einen anonymen Telefonbieter. Der „Schreitende Mann“ war seit 1980 im Besitz der Dresdner Bank. Nach deren Übernahme durch die Commerzbank ging das Werk an den neuen Eigentümer über. Doch der wusste wohl nicht wirklich viel damit anzufangen. Die Sammlung der Dresdner Bank ist nicht unbedeutend, rund 3000 Werke hatte man zusammengesammelt, zunächst konstruktivistische und konzeptionelle Kunst, dann aber auch jüngere Künstler wie Julian Opie oder Karin Kneffel. Eines der zentralen Objekte war die versteigerte Skulptur, die in den letzten Jahren einen prominenten Platz im Vorstandsgebäude der Dresdner Bank hatte. Die Commerzbank weiß diesen Schatz allerdings …

Krise? Welche Krise?

Das Auktionshaus Christie’s hat in den letzten drei Tagen die Kunst- und Antiquitätensammlung des verstorbenen Modeschöpfers Yves Saint-Laurent und seines Lebensgefährten Pierre Bergé versteigert. Als Auktionsort wählte man den Grand Palais, jenes wunderschöne Belle-Époque-Gebäude mit Glas-Stahl-Dach aus der Zeit der Jahrhundertwende. Die Halle wurde in samtenes Schwarz gehüllt und blau beleuchtet. Ein perfekter Ort für das riesige Konvolut aus Gemälden Alter Meister, der Impressionisten und der klassischen Moderne, Möbeln, Antiquitäten, Designerstücken, antiken Skulpturen aus allen Teilen der Erde, Silber und Lampen. Dass die Sammlung nur wenige Monate nach dem Tod Saint-Laurents unter den Hammer kommt, dürfte an den horrenden Erbschaftssteuern liegen, die der französische Staat von Bergé eintreiben möchte. Die Auktion brachte sagenhafte 373,5 Millionen Euro ein. Zu den teuersten Möbelstücken gehören Eileen Grays Sessel Dragons, der auf zwei bis drei Millionen Euro taxiert war und fast 22 Millionen Euro einbrachte. Wesentlich höher als geschätzt gingen auch zwei monumentale Vasen von Jean Dunand weg, die auf eine bis anderthalb Millionen geschätzt wurden und über drei Millionen Euro einbrachten. Besonders schick war auch François-Xavier Lalannes YSL …

Afrikas erste Kunstmesse

Es ist längst überfällig: Afrika hat seine erste Kunstmesse. Bis zum 16. März 2008 findet in Johannesburg (Südafrika) die erste Joburg Art Fair statt. Zu Gast sind 22 Galerien aus aller Welt, die auf 5000 Quadratmetern afrikanische Kunst verkaufen. Das ist zwar ein bescheidener Anfang, aber in Zeiten in denen in anderen Ländern die Kunstmessen dicht machen, ist diese neue Messe ein wichtiges Zeichen. Afrikanische Kunst erfreut sich zunehmender Beliebtheit – auch bei Sammlern außerhalb Afrikas. Mit dabei ist auch die Berliner Galerie Peter Herrmann. Auf der Messe im Vorort Sandton werden unter anderem Werke von Künstlern wie William Kentridge, Sam Nhlengethwa, Romuald Hazoumé, Santu Mofokeng, David Goldblatt und Sabelo Mlangeni präsentiert. Unter der Leitung von Simon Njami wurden zudem Werke von Künstlern des gesamten Kontinents ausgesucht, die zum Teil noch nicht durch Galerien vertreten werden. Diese werden jetzt in der Ausstellung „As you like it“ präsentiert.

Achtung Virus!

Es geht ein merkwürdiger Virus um, der zu einem Massensterben führt. Einige deutsche Kunstmessen sind massiv unter Druck geraten und geben auf oder setzen in diesem Jahr aus. Plötzlich scheinen alle zu merken, dass Kunstmessen kein Selbstläufer sind und auch an einem überhitzen Kunstmarkt noch ein Minimum an Qualität gefragt ist. Zuerst war es die Fine Art Fair Frankfurt, die verkündete, man werde die Messe vorerst einstellen und sich neue Konzepte überlegen. Dann entschloss man sich auch in Düsseldorf (dc – düsseldorf contemporary), die Messe in diesem Jahr abzusagen und gemeinsam mit anderen Messeveranstaltern zu überlegen, wie es weitergehen soll. und selbst den Balearen-Ableger der Art Cologne in Palma de Mallorca wird es in diesem Jahr nicht mehr geben. Die ART FORUM Berlin findet zwar statt, wird aber auf Anfang November 2008 verschoben, einen Tag gekürzt und „vom Event zum Diskurs“. Es fällt nicht schwer vorauszusagen, dass auch diese Messe auf Dauer Probleme bekommen wird. Lag man mit dem Termin Anfang Oktober vor den großen Herbstmessen, hat man die Messe jetzt mitten rein ins Messegetümmel …